Origami Harvest

Tanzen? Eher nicht … aber im Kopf geht es ab!

Noch vor einem Jahr tat Ambrose Akinmusire die Bedeutung von Lyrics ab: „Wenn man mit Spirituellem arbeitet, braucht man keine Worte. Babys tanzen zur Musik, nicht zum Text.“ Keineswegs wollte Akinmusire damit die Bedeutung von Rap kleinreden. Schließlich war der 36-jährige Trompeter an Kendrick Lamars „To Pimp a Butterfly“ beteiligt. Doch hat Akinmusire, der seine Alben stets komplett selbst schreibt und produziert, immer schon das Neue forciert. So hat er für sein hochpolitisches neues Album selbst Spoken-Word-Passagen eingesprochen und schräge Synthesizer eingespielt. „Origami Harvest“ beginnt mit einem Song, der sich auf den 2012 ermordeten Trayvon Martin bezieht, in „Free, White and 21“ werden die Namen weiterer Afro-Amerikaner rezitiert, die bei Schießereien getötet wurden. Akinmusire vermengt Klassik, Jazz und HipHop – auf elegische Passagen eines Streichquartetts folgt ein Rap. Eine gewagte Kombination, die zuweilen zu kakophonischen Klängen führt. Tanzen kann man dazu nicht. Aber sich trefflich zum Nachdenken anregen lassen. jp

 

Ambrose Akinmusire • Album

Künstler: Ambrose Akinmusire
Titel: Origami Harvest
Label: Blue Note
VÖ: 12.10.2018

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