Thank u, next

Ist Ariana Grande der größte Popstar unserer Zeit? Auf jeden Fall der produktivste.

Ob Ariana Grande mittlerweile der größte Popstar unserer Zeit ist, wird sich noch zeigen müssen – der produktivste ist sie in jedem Fall: Nur sechs Monate nach „Sweetener“, vielerorts als künstlerischer Entpuppungsakt gefeiert, legt sie mit „thank u, next“ nach, einer Platte mit ähnlichen Qualitäten, der ähnliche Widersprüche eingeschrieben sind. Wenn man so will, ist „thank u, next“ sogar so etwas wie ein Metaalbum, das die Ambivalenzen des Popstartums an sich auslotet und vermisst: Grande erscheint uns zu gleichen Teilen als Produkt, als Projektionsfläche und als die reale Persona dahinter, und die Grenzen dazwischen sind denkbar fließend. Dass in den Songwriting-Credits neben ihrem Namen noch immer mindestens fünf weitere auftauchen, das ist bei einem Mainstream-Popalbum dieses Kalibers nicht weiter überraschend, und doch wird niemand behaupten können, dass diese Songs – manche davon sind sehr gut – nichts mit ihr zu tun hätten: Die Tragödien der letzten Jahre, der Tod ihres Exfreundes Mac Miller oder der Terroranschlag während ihres Manchester-Konzertes 2017, das alles wird zum Thema; während Grande zugleich ihr Leben in der Öffentlichkeit reflektiert („I can’t fake another smile, I can’t fake like I’m alright“, doch: „I know it’s the Life that I chose“) oder sich im intimen R’n’B-Song „needy“ verletztlich zeigt. Doch dann kommt auch die Single „7 Rings“, die musikalisch recht schlüssig einen Trap-Beat mit „The Sound of Music“-Zitat verknüpft, in den Lyrics aber Konsumismus zur Selbstermächtigungsgeste umdeuten will – was dann wieder unangenehm und auch ein bisschen dumm ist. Wer Ariana Grande ist, das wissen wir am Ende mindestens genauso sehr wie wir es nicht wissen. msb

Ariana Grande • Album

Künstler: Ariana Grande
Titel: Thank you, next
Label: Republic
VÖ: 08.02.2019

Leseempfehlungen

Hayden Thorpe: Hayden Thorpe: Zwei Beerdigungen und kein Todesfall

Haelos: Haelos: Das Prinzip Resthoffnung