Contemporary Music

Ab durch die Mitte!

Nach diversen Soloprojekten melden sich Balthazar mit neuem Schwung zurück. Und mit Liebesbekundigungen.

„Es war wichtig, wieder Geheimnisse voreinander zu haben und sich gegenseitig überraschen zu können“, sagt Jinte Deprez, und es klingt ein bisschen so, als würde er über eine langjährige Liebesbeziehung und nicht über das Verhältnis zu seinem alten Schulfreund und Balthazar-Kollegen Maarten Devoldere sprechen. Nach drei sehr erfolgreichen Alben legten die beiden Songwriter und Sänger der belgischen Band vor drei Jahren eine Auszeit auf unbestimmte Zeit fest. „Spätestens ab der Tour zum zweiten Album haben wir wie eine gut geölte Maschine funktioniert, und auch wenn es uns weiterhin großen Spaß gemacht hat, war es uns doch wichtig, rechtzeitig der Routine entgegenzuwirken, bevor es allzu vorhersehbar und abgefuckt wird“, begründet Devoldere die Entscheidung. Mit Soloprojekten wollten die beiden musikalische Ideen außerhalb des angestammten Indiesounds verfolgen und persönliche Anliegen verfolgen – nur wurden die Alleingänge dann so erfolgreich, dass sich selbst das engste Umfeld der Band Sorgen zu machen begann, ob es mit Balthazar überhaupt weitergehen würde: Devoldere veröffentlichte als Warhaus zwei sehr jazzige Alben, während Deprez unter dem Moniker J. Bernhardt eine sehr eigene Spielart von Oldschool-R’n’B entwickelte. „Ich habe die erste Warhaus-Platte wirklich erst an dem Tag gehört, als sie veröffentlicht wurde“, sagt Deprez, und auch wenn sie es mit Coolness zu verbergen versuchen, brennt schon ein bisschen die Luft, wenn die beiden sich gegenseitig versichern, wie sehr sie die Arbeit des anderen feiern.

„So wichtig die Soloprojekte für unser Ego waren, haben wir beide eigentlich nie daran gezweifelt, dass wir das kreative Hin und Her bei Balthazar sehr schnell vermissen werden“, grinst Devoldere. Zu den ersten Aufnahmesessions brachten die beiden Songwriter dann auch jede Menge Ideen mit – und trotzdem lief es zunächst nicht so richtig rund. „Erst als wir den Titelsong hatten, wussten wir, in welche Richtung wir gehen wollten, und von da an ergab sich der Rest wie von selbst.“ Mit funky Bass und einem kurzen Glissando-Streicher-Motiv gibt die Vorabsingle den Ton vor: Auf dem vierten Album klingen Balthazar weniger melancholisch und prätentiös, verdammt groovy und tanzbarer als je zuvor. Ist „Fever“ vielleicht einfach die goldene Mitte der beiden Soloprojekte? „Im Nachhinein mag das vielleicht so wirken, aber als Arbeitsansatz hätte das nicht funktioniert“, relativiert Deprez. „Wir haben beide neue Erfahrungen gemacht, die wir unterbewusst natürlich auch eingebracht haben“, sagt er – und fast hat man den Eindruck, er muss sich jetzt zusammenreißen, um dem Kollegen nicht ganz tief in die Augen zu schauen. „Trotzdem haben wir nie das gemeinsame Fundament aus den Augen verloren, das wir uns in all den Jahren aufgebaut haben.“

 

Balthazar • Album

Künstler: Balthazar
Titel: Fever
Label: Play It Again Sam
VÖ: 25.01.2019

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