Contemporary Music

Unschuld und Verwüstung

Lust auf einen „Brainfuck“ mit Barbara Morgenstern?

Ein, Achtung, Wortspiel: Star wird Barbara Morgenstern in diesem Leben nicht mehr. Dafür hat sich die Sängerin und Keyboarderin 20 Jahre nach ihrer Debüt-CD „Vermona ET6-1“ mittlerweile ganz gut eingerichtet, zwischen öffentlichen Aufträgen, Theaterkompositionen und sporadischen Veröffentlichungen, deren Grundton langsam aber sicher düsterer wird und sich dennoch eine gewisse Menschenfreundlichkeit bewahrt hat. „Unschuld und Verwüstung“ basiert mehr als die Vorgänger auf einem elektronischen Fundament, mal strukturieren sanft pluckernde Beats die Songs, mal weite Sampleflächen, die früher prägenden Orgel- und Pianopassagen sind nahezu völlig verschwunden. Und Morgenstern singt mit klarer Stimme introspektive Texte, die man negativ als Weltflucht lesen kann, positiv als versteckte Kritik an solcher Weltflucht. Dabei flieht die Welt doch selbst: „Ist die Welt nun wie sie war … vorbei?“ fragt sie zu klirrenden Marimbas in der REM-Reprise „Michael Stipe“, bevor der ohnehin nur rudimentäre Song in mäandernden Drones versinkt. Die Verwüstung, man muss sie sich als Hoffnung vorstellen. fis

Barbara Morgenstern • Album

Künstler: Barbara Morgenstern
Titel: Unschuld und Verwüstung
Label: Staatsakt
VÖ: 19.10.2018

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