Bear’s Den: Bärige Bücherliebe

Natürlich ist ihr neues Album so gut, weil Bear’s Den endlich ein eigenes Studio haben. Doch noch viel wichtiger ist ein kleiner Laden direkt gegenüber.

„Wir schließen nichts aus. Aber es ist für uns auch kein Selbstzweck, vermeintlich disparate Elemente zu kombinieren.“ Kevin Jones benennt gleich die eine Superpower der Band, der er zusammen mit Sänger und Gitarrist Andrew Davie vorsteht. Als Bear’s Den im Jahr 2013 ihre ersten Songs veröffentlichten, war die Musikwelt noch von Mumford & Sons und ihren zahlreichen Epigonen geprägt, doch schon mit der experimentelleren zweiten Hälfte ihres Debütalbums „Islands“ rüttelten Bear’s Den an den sehr engen Folk- und Countrykonventionen. Beim Nachfolger setzten die beiden Kreativköpfe bereits verstärkt auf elektronische Elemente – aber während „Red Earth & pouring Rain“ mitunter noch arg demonstrativ klang, greifen die beiden Welten auf dem neuen Album jetzt derart ineinander, dass Akustikinstrumente und Elektronik in ihren anschmiegsamen Songs kaum mehr zu unterscheiden sind. „Nachdem wir das zweite Album in einer kurzen Tourpause nach striktem Masterplan eingespielt haben, wollten wir diesmal unbedingt eine längere Auszeit, um in aller Ruhe neue Wege ausprobieren zu können“, schwärmt Jones und erzählt von ihrem Studio, das sie sich im Nebengebäude einer alten Kirche in Nordengland eingerichtet haben. „Es ist schon ein wahnsinniger Luxus, wenn du ganz spontan auch um Mitternacht noch den Entschluss fassen kannst, ein bisschen mit einem alten Synthesizer und der neuen Drum Machine zu spielen.“

Auch ihre zweite Superpower geben Bear’s Den ganz offen mit dem Albumtitel preis: „So that you will hear me“ zitiert ein Gedicht des chilenischen Dichters Pablo Neruda und fasst den Entschluss der beiden Musiker zusammen, persönlicher zu texten und Verwundbarkeit zuzulassen. Gleich der Opener „Hiding Bottles“ verhandelt sehr sensibel die Konfrontation mit Alkoholismus in ihrem engsten Umfeld, und mit „Not every River“ finden sie sehr poetische Worte für die Akzeptanz, dass es nicht immer leicht ist. „Natürlich ist Andrew der Schreiber, und dieses Mal hat er sich für einige Wochen in der Provinz verschanzt, um an den Texten zu arbeiten“, sagt Jones. „Aber auch in dieser Zeit ging ständig eine Lektüreliste zwischen uns hin und her, damit ich mich einlesen und mir parallel zur musikalischen Umsetzung etwas überlegen kann.“ So trägt der wohl schönste Song des neuen Albums den Titel „Crow“ und basiert auf dem Roman „Trauer ist das Ding mit Federn“ des britischen Autors Max Porter. „Gegenüber unseres Studios ist ein gut sortierter kleiner Buchladen, in dem wir regelmäßig stöbern, und es war der Verkäufer, der uns den Porter empfohlen hat“, erzählt der plötzlich extrem euphorisierte Jones. „Als Andrew mir geschrieben hat, dass ihn das Buch inspiriert, habe ich mir ein zweites Exemplar besorgt – und dann konnte ich es kaum erwarten, dass er zurückkommt, um mit ihm zu diskutieren, aus welcher Perspektive man den Roman aufgreifen kann.“

Bear's Den • Album

Künstler: Bear's Den
Titel: So that you might hear me
Label: Caroline
VÖ: 26.04.2019

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