Contemporary Music

Bling Bling Bosse

Weil Bosse beim Echo vor zwei Jahren allen Nazis die Mittelfinger zeigte, darf er auf seinem neuen Album „Alles ist jetzt“ den Konfettipop feiern.

uMagazine: Bosse, auf deinem neuen Album feierst du vieles, die Lebensfreude, Musik, aber auch Freundschaft – sind deine Freundschaften so stabil?

Bosse: Ja, die sind sehr konstant. Und da ist es auch egal, wie viele Kinder jemand mittlerweile hat oder wie weit er weg wohnt. Die besten sechs, sieben Freunde sind immer noch dieselben. Für mich hieß Freundschaft schon immer zu wissen, wen man anrufen kann, wenn man ganz am Ende ist.

uMagazine: Trotzdem wird es auch mal Konflikte geben …

Bosse: Natürlich, allein in dem Wort Freundschaft stecken sowohl Liebe als auch Konflikt drin. Ich habe auch Freunde, von denen weiß ich, wenn die sich gar nicht melden, ist alles in bester Ordnung. Aber ich bin selbst so eine treue Seele, die sich immer meldet – ich kann da ganz schön nerven. (lacht) Auch, weil ich schlecht bin mit unausgesprochenen Dingen – wenn sich jemand von mir entfernt, weil subtil etwas zwischen uns steht, dann habe ich Bock, das zu klären.

uMagazine: Beantwortest du deshalb die Frage danach, wie wir mit rechtem Denken und Verhalten umgehen sollen, auf „Alles ist Jetzt“ mit Liebe und Miteinander statt mit Hass und Abgrenzung?

Bosse: Meiner Meinung nach ist Kommunikation noch immer das beste Mittel für, aber auch gegen alles. Es geht ja vor allem darum, auch mal Lösungen zu finden. Natürlich ist das ein komplexes Thema, für das es keine Schwarz-Weiß-Lösung gibt, vielleicht aber kleine Teillösungen. Und das können Sachen sein, die Spaß machen – Musik, Sport, aber auch Kunst, kommunikative Gespräche und Bildung. Das sind zum einen Dinge, die einen schlauer machen, die zum anderen aber auch eine Verbindung zwischen Menschen schaffen.

uMagazine: Ist „Alles auf Jetzt“ denn das Ergebnis dieser Überlegung? Schließlich hatte dein letztes Album „Engtanz“ sehr viele ernste Momente, während „Alles auf Jetzt“ streckenweise eine überbordende Ode an die Lebensfreude ist.

Bosse: Wenn ich mir die letzten 15 Jahre meines Musikerlebens anschaue, sehe ich jeweils abwechselnd eine dunkle und eine helle Platte. Und „Engtanz“ ist ein so düsteres Album gewesen, dass ich jetzt automatisch diese Songs geschrieben habe – ganz so, als hätte ich eine körperliche und geistige Gegenreaktion zu dem, was ich die drei Jahre davor gemacht habe. Und ja, da geht es auch darum, klare Worte zu finden, eine Haltung zu haben, ohne dicke Parolen. Ich mache das wie ein HipHopper: Ich bin zurück, so geht es mir – nur ohne zu behaupten, ich sei der Geilste und ihr anderen nicht.

uMagazine: Aber mit dickem Beat – du holst ordentlich mit Synthies, Konfetti-Pop und Wumms aus.

Bosse: Ich habe mir dieses Mal nur eine Sache gesagt, und zwar: Es soll passieren, was passieren will. Dass das Album überhaupt einen roten Faden hat, ist ein totaler Glücksfall, weil ich eine bunte Platte haben wollte, auf der jeder Song bekommt, was er verdient.

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Bosse • Album

Künstler: Bosse
Titel: Alles ist jetzt
Label: Vertigo Berlin
VÖ: 12.10.2018

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