Schreck in der Komfortzone

Als Click Click Decker verarbeitet der Hamburger Songwriter Kevin Hamann Alltagserlebnisse. Auf „Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten“ scheinen die bedrückend wie nie.

uMagazine: Kevin, „Mandelika“, der erste Song auf eurem neuen Album, zisselt an allen Ecken und Enden mit musikalischem Brimborium. Kündigt das die Marschrichtung der Platte an?

Kevin Hamann: Das Wort zisseln finde ich gut – und ja, „Mandelika“ gibt die Richtung vor, weil es vieles abbildet, was auf der Platte zu finden ist: Es ist direkt, es ist weit weg, es ist laut, es ist leise.

uMagazine: Es ist auch ungewohnt verspielt.

Kevin Hamann: Vielleicht sind wir durch das Alter, in dem wir mittlerweile sind und das viel Klarheit verlangt, versucht gewesen, uns in dem Verspielten verlieren zu können. Wir haben das überhaupt nicht bewusst gewollt, aber es freut uns, dass es trotzdem passiert ist.

uMagazine: Die Texte sind das Gegenteil. Du singst: „Ich habe hier mal was vorbereitet, für meine Todesanzeige“ oder „Bin einfach liegengeblieben, wie ein Lieferwagen“.

Kevin Hamann: Es ist auf jeden Fall die dunkelste Platte, die wir bislang gemacht haben. Die Texte sind in einer Zeit entstanden, in der man sich sehr weit unten aufgehalten hat und versuchen musste, den Kopf wieder hochzukriegen. Aber es ist auch ein Dazwischen, es geht noch weiter, weshalb es in „Bielefeld“ heißt: „Zu alt für die einen und zu jung für deren Falten.“

uMagazine: Stichwort „dunkel“: In „Schreckmensch“ thematisierst du deine Depression.

Kevin Hamann: Richtig. Das ist eine Sache, die plötzlich aufgetaucht ist, wie sie bei jedem plötzlich auftauchen kann. Entsprechend hat mich das überrannt. Ein ganz komischer Zustand, in dem ich mir überhaupt nicht erklären konnte, warum ich so antriebslos war, niemanden sehen und nichts tun wollte.

uMagazine: Hast du das Songschreiben als Linderung, als kathartisch empfunden?

Kevin Hamann: Nein, gar nicht. Mich konnte in dem Moment nichts trösten. Auch als ich „Schreckmensch“ aufgenommen habe, fand ich den Song doof, aber Olli und Sebastian wollten es mit drauf nehmen – und jetzt finde ich es auch gut.

uMagazine: Sebastian Cleemann habt ihr als Drummer neu in die Band geholt.

Kevin Hamann: Ja, wobei Sebastian uns schon seit Jahren live begleitet. Das ist aus einer Freundschaftsbasis erwachsen, was mir persönlich sehr wichtig ist. Wir fahren auch seit Jahren mit dem gleichen Mischer auf Tour. Wenn jemand zu einem Termin nicht kann, fahren wir nicht. Das ist auch eine Komfortzone, die wir mitnehmen. Wir finden es gut im Klüngel.

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ClickClickDecker • Album

Künstler: ClickClickDecker
Titel: Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten
Label: Audiolith
VÖ: 16.11.2018

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