Groß und größer

Was sollte nach „Pop & Tod I + II“ noch kommen? Stella Sommer verrät im Interview, wie sie nach dem Meisterwerk einfach noch ein Meisterwerk mit Die Heiterkeit hingelegt hat.

uMagazine: Stella, es war von vornherein klar, dass nach „Pop & Tod I + II“ ein radikaler Bruch kommen muss, oder?

Stella Sommer: Es hat sich ganz gut gefügt, aber es ist jetzt auch nicht so, dass ich mich hingesetzt und lange darüber nachgedacht habe. Meine Soloplatte hat sich ja ein bisschen länger als geplant hingezogen. Danach wollte ich direkt mit der neuen Heiterkeit-Platte anfangen – aber dann bin ich meine Aufzeichnungen durchgegangen und habe festgestellt, dass eigentlich schon alles da war. Bei den meisten Songs weiß ich gar nicht mehr so genau, wann ich sie geschrieben habe. Ich musste die Stücke nur noch arrangieren, und da war es gut, dass ich wegen der Soloplatte noch voll im Prozess war.

uMagazine: Gerade da hast du ja aber überraschende Entscheidungen getroffen …

Stella Sommer: Ursprünglich bin ich noch von einer klassischen Bandaufstellung mit Schlagzeug, Gitarre und Bass ausgegangen, nur habe ich eben beim Arrangieren gemerkt, dass die Songs gar nicht für eine Band ausgelegt sind: Sie sind viel größer – wenn man ihnen denn den Raum gibt. Man hätte bei „Pop & Tod“ auch einfach nicht weitermachen können, zumindest nicht mit einer Band wie Die Heiterkeit, bei der sich jedes halbe Jahr die Mitglieder ändern. Wenn, dann hätte man schon mit der Formation von damals nach einem Weg suchen müssen. Aber nachdem das Doppelalbum mit 20 Songs funktioniert hat – warum sollte man da noch mal zehn neue Songs aufnehmen, die irgendwie ähnlich klingen?

uMagazine: Auf „Was passiert ist“ hört man bis auf eine Ausnahme keine Gitarre.

Stella Sommer: Eigentlich komme ich ja vom Klavier, zumindest ist es das erste Instrument, das ich gelernt habe. Bei der letzten Heiterkeit-Platte habe ich die Songs auf der Gitarre geschrieben und sie dann der Band gegeben. Diesmal habe ich die Gitarre beim Schreiben aber ganz bewusst weggelassen. Ich wollte weg von den limitierenden Faktoren, die dafür verantwortlich sind, dass die Songs nicht größer werden. Wenn man die Stimmung ändern will, muss die Gitarre weg, und ehrlich gesagt kann ich Gitarre mittlerweile auch selbst nicht mehr hören. (lacht) Ich habe jetzt auf vier Alben Gitarre gespielt und mein Ehrgeiz ist jetzt auch nicht so groß, dass ich mich etwa mit Effekten beschäftige, um doch noch mal Abwechslung reinzubringen.

uMagazine: Mit Produzent Moses Schneider bist du mittlerweile ein eingespieltes Team. Auch für ihn war die Platte sicher ein Abenteuer, da es ja nicht unbedingt sein Haussound ist.

Stella Sommer: Er ist ja bekannt für Liveaufnahmen. Das ist für ihn natürlich ein bisschen mehr Arbeit gewesen als wenn er jetzt einfach mit einer Band ins Studio gegangen wäre. Wir mussten alles nacheinander aufnehmen, und das kostet viel mehr Zeit. Ich hoffe aber, dass es ihm auch Spaß gemacht hat – obwohl er hin und wieder schon betont hat, wie viel Arbeit das ist.

 

uMagazine: Bei deinem Soloalbum hast du dich ja auch schon sehr stark eingebracht. Bist du auf dem Weg zur Produzentin?

Stella Sommer: Joa, ich glaube, da fehlt mir am Ende vielleicht doch die Geduld. Ich höre gern an Punkten auf, an denen es mir zu kompliziert wird, und dann brauche ich jemanden, mit dem ich reden kann. Moses und ich haben da inzwischen eine Vertrauensebene, auf der wir sehr ehrlich miteinander sein können.

uMagazine: „Das Wort“ und „Ein alter Traum“ überraschen mit elektronischen Beats. Waren diese Ausreißer von vornherein geplant?

Stella Sommer: Angelegt waren die schon, aber Moses hatte noch mal eine andere Art von Extrem im Kopf gehabt als ich. „Das Wort“ habe ich mit einem total billigen Synthie gemacht, aber Moses hat es dann noch mal total over the top produziert. Und bei „Ein alter Traum“ hat er die Basslinie geschrieben.

uMagazine: Fühlst du dich denn wohl mit diesen Stücken?

Stella Sommer: „Das Wort“ ist nicht mein Lieblingsstück, aber für den Kontext der Platte fand ich es gut. Bei einer Popplatte müssen einfach ein paar Extreme drauf sein. Und da ich bei „Ein alter Traum“ ja nicht die Bassistin bin, ist das für mich immer noch ein Folklied. Es hat eben nur ein Rockgewand bekommen. Allerdings weiß ich nicht, ob ich es live singen kann, weil es ja schon sehr hoch ist.

 

Die Heiterkeit • Album

Künstler: Die Heiterkeit
Titel: Was passiert ist
Label: Buback
VÖ: 01.03.2019

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