Contemporary Music

Erotik International

Wahre Liebe? Gibt’s vielleicht aus dem Tetrapack, gab’s vielleicht in den 80ern …

Kann man natürlich mit viel Ironie nehmen und furchtbar witzig finden: eine vierköpfige Band aus Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern, die ihrer Debüt-EP den Titel „Erotik International“ verpasst und deren Mitglieder auf die Namen Fizzy Bliss, Die Katze, Jelly Del Monaco und Super Luci hören. Natürlich meinen Die Kerzen es nicht ernst, wenn sie so tun, als wären sie in dem geschmackssicheren Teil der 80er hängengeblieben: Ihre Protagonistinnen heißen Natalia, Misa und Kira, mal blickt man zu zweit durch ein Teleskop in die Unendlichkeit, doch meistens regnet es, und dann trinkt man viel Cola-Whisky aus dem Tetra Pak und nimmt den Moskovskaya auch mit in die Straßenbahn. Trotzdem müssen die vier noch gar nicht so alten Menschen doch irgendwie auch an diese Idee des bedingungslosen Verliebtseins glauben, die auch den tristesten Alltag überwindet – wie sonst wären ihnen so herzerweichende Wavepopsongs à la „Baby Motoride“ und „Karamba“ geglückt, die in einer Playlist perfekt zwischen Prefab Sprout und die frühen Tears For Fears passen? Man will „True Love“ weggrinsen – doch eigentlich hofft man, dass jemand mit zwei Schachteln Pall Mall an der Tür klingelt und genau diesen Satz sagt: „Ich hol’ dich hier raus, Baby, wir sind unzerteilbar.“ cs

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