Contemporary Music

Starter Home

Was macht guten Americana aus?

Was macht guten Americana aus? Die angemessen dosierten Ingredienzien aus Country, Folk und Rock, die richtige Mischung aus Aufbruchsgedanken und Sehnsuchtsmomenten sowie dieses spezielle Etwas, das vom Verdacht enthebt, mögliche Redneck-Klischees zu bedienen. Doug Paisley hat all das: Auf dem Cover seines vierten Albums „Starter Home“ sitzt der Kanadier mit seiner Gitarre vor einem eigenwilligen Stillleben aus mediterran blau gerandeter Deko und angebissenem Obst. Der Blick aus den stahlblauen Augen geht in die Ferne, die Finger sind bereit, an den Saiten zu zupfen. Das Häusliche als sterile Idylle entlarvt Paisley im eröffnenden Titeltrack, wenn die Familie als Hort der Geborgenheit nicht frei von Erschütterungen ist. Oder wenn „Drinking with a Friend“ die eigene Sterblichkeit besingt, die Tirade „The Loneliness“ zum kuscheligen Duett mit Jennifer Castle wird oder „Easy Money“ wie ein zuversichtliches Schulterzucken wirkt. Es ist Paisleys Stimme, die unweigerlich unter die Haut geht und selbst die Springsteenhaften Pathosträumereien von „Dreamin’“ verzeihbar macht. Mehr noch scheinen sich hier die Bodenständigkeit des Heartlandrockers mit der Distinguiertheit eines Stuart Staples zu treffen. Vielleicht muss guter Americana auch die Gewissheit vermitteln, dass alles Leid Linderung erfahren kann. vr

Doug Paisley • Album

Künstler: Doug Paisley
Titel: Starter Home
Label: No Quarter
VÖ: 02.11.2018

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