Contemporary Music

Some Rap Songs

Muss ein Rapper Macker sein? Earl Sweatshirt aus den USA bricht mit Hörgewohnheiten und Genreklischees.

Thebe Neruda Kgositsile alias Earl Sweatshirt ist eine der spannendsten Figuren im amerikanischen HipHop: Einer, der schon früh klarstellte, dass Mackergehabe nicht genreinhärent sein muss, und der in seinen Tracks eine Sensitivität zulässt, die nur wenige Rapper wagen. Seine Umwege – nach den ersten Erfolgen mit der Rapcrew Odd Future, der auch Tyler, The Creator und Frank Ocean angehören, zog er sich mit gerade mal 16 Jahren aus dem Musikgeschäft zurück und besuchte ein Internat für schwer erziehbare Jugendliche auf Samoa – haben ihn zudem zu einem begnadeten Storyteller gemacht. „Some Rap Songs“ ist sein drittes Soloalbum, und dem bescheidenen Titel zum Trotz das bisher stärkste: 15 Tracks, mehr Skizzen und verwaschene Miniaturen als zu Ende formulierte Stücke, die sich frei von Trendzusammenhängen bewegen und in denen die Widersprüche und Unebenheiten von Kgositsiles Persona auch musikalisch widerhallen. Die Platte ist geprägt von Brüchen: Selten greifen die zurückgenommenen Rapparts organisch mit dem Beatmaterial ineinander, ständig ploppen Stimmen, Melodiefragmente oder arhythmisch geloopte Soul-Samples auf, und genauso schnell verschwinden sie auch wieder. „Some Rap Songs“ verlangt mehr als vielleicht jedes andere HipHop-Album in diesem Jahr nach Zeit und Aufmerksamkeit, aber es lohnt sich unbedingt, beides zu investieren: eine ambitionierte, soghafte, hermetische und doch ganz offene Platte. msb

 

Earl Sweatshirt • Album

Künstler: Earl Sweatshirt
Titel: Some Rap Songs
Label: Smi Col
VÖ: 14.12.2018

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