Contemporary Music

The very Start

Zoé ist voll zorniger Melancholie …

Indiefans mögen noch das Ende von Me And My Drummer beweinen, doch schon naht Rettung für Freunde organischer Duos, in denen der Schlagzeuger gleichberechtigt neben dem weiblichen Mastermind agiert. Emilié Zoe schreibt und produziert ihren Lo-Fi-Songwriterrock nicht nur in Eigenregie, auch lässt sie an der Gitarre und beim Gesang ihren inneren Monstern freien Lauf. Angetrieben oder im Zaum gehalten – je nachdem, wie man es bewerten will – wird sie dabei von Nicolas Pittet, dessen Schlagzeug- und Percussion-Rhythmen mal beschwichtigend klackern, mal das Sturmgewitter entladen, das sich in Zoés zorniger Melancholie aufstaut. Die Schweizerin sorgte 2016 mit „Dead-End Tape“ für Aufmerksamkeit, an „The very Start“ hat sie zusammen mit Pittet zwei Jahre lang gearbeitet. Das Duo wurde im Studio von Christian Garcia unterstützt, dessen angespannte Syntheffekte immer wieder bis zum Äußersten gereizt werden. Dass „The very Start“ trotzdem eine betörende statt einer verstörenden Platte geworden ist, liegt vor allem daran, dass sich Zoés Gesang zwischen Sehnsucht und Trotz aufreibt und die dröhnenden Gitarrenakkorde sowie die hart anschlagende Rhythmik den für dieses Gefühlschaos authentischen Rahmen bilden. Das zeigt sich nicht zuletzt dann, wenn sich selbst das Klavierstück „Loner“ rough verortet und der heisere Opener „6 o’Clock“ unheilschwanger das Morgendämmern besingt. vr

Emilie Zoé • Album

Künstler: Emilie Zoé
Titel: The very Start
Label: Hummus Records
VÖ: 09.11.2018

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