Ein gewisser Idealismus

Das estnische Quartett Ewert And The Two Dragons ist mit seinem komplexen Indiepop längst über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt. Aber Frontmann Ewert Sundja hat ganz andere Ziele, als berühmt zu sein.

kulturnews: Ewert, euch ist es gelungen, worum viele osteuropäische Bands kämpfen – einen Platz auf dem westeuropäischen Markt zu bekommen. Worin besteht euer Geheimnis?

Ewert Sundja: Ich würde es nicht kämpfen nennen. Sicherlich ist es schwierig, neue – und ich mag das Wort nicht sonderlich – Märkte zu erschließen. Ein Land wie Deutschland ist ein großer Markt mit vielen Musikern, der sich selbst genug ist. Insofern ist es für uns eine Herausforderung, dort Fuß zu fassen. Es braucht Mut, Ausdauer und einen gewissen Idealismus. Denn du machst das nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Begeisterung. Wenn du dir so ein Publikum aufbauen kannst, ist es leichter.

kulturnews: Aber habt ihr diesen „Export“ bewusst geplant? Schließlich seid ihr in eurer Heimat Estland schon sehr erfolgreich gewesen.

Ewert Sundja: Aber das war auch kein Erfolg auf Anhieb. Unser Debütalbum ist 2009 erschienen und lange unter dem Radar geblieben. Wir haben dann über ein Label in Lettland unser zweites Album veröffentlicht, mit dem es endlich aufwärts ging. Die meisten Bands wollen ein so großes Publikum wie möglich erreichen – und dafür ist Estland einfach ein zu kleines Land mit nicht mal anderthalb Millionen Einwohnern.

 

 

kulturnews: Nun habt ihr euer viertes Album „Hands around the Moon“ veröffentlicht – in den Linernotes klingt an, dass ihr euch schwer damit getan habt.

Ewert Sundja: Ja, mir persönlich war es wichtig, nicht bloß ein weiteres Album zu machen. Wir hätten schneller und unkomplizierter eine Platte machen können, aber das ist nicht unser Beweggrund, Musik zu machen. Wir haben die Zeit und die Auseinandersetzung gebraucht, damit die Dinge wachsen und entstehen und schließlich in Songs transportiert werden können.

kulturnews: Über euer letztes Album „Circles“ hieß es, es sei eine Platte übers Erwachsenwerden. Ist „Hands around the Moon“ dann ein Album übers Älterwerden?

Ewert Sundja: Ich würde nicht älter sagen, sondern weiser. Es geht weniger darum, älter zu werden, was ein natürlicher Prozess ist, sondern aufgrund der gemachten Erfahrungen zu lernen, klüger zu sein – das ist unser eigentliches Ziel.

 

Ewert And The Two Dragons • Album

Künstler: Ewert And The Two Dragons
Titel: Hands around the Moon
Label: RCA
VÖ: 23.11.2018

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