Contemporary Music

Die unbekannte Seite der Extrawelt

Vom Delirium zur neuen Platte (oder umgekehrt) in vier Fragen …

uMagazine: Wayan, zu eurem 2017 veröffentlichten Album „Fear of an Extra Planet“ mussten du und dein musikalischer Partner Arne Schaffhausen euch ständig fragen lassen, warum es so lange gedauert hat. Diesmal müsste die Frage lauten: Wie ging das so schnell?

Wayan Raabe: „Unknown“ ist ja quasi ein Konzeptalbum, auf dem wir ausschließlich Tracks versammelt haben, die keine typische 4/4-Techno-Bassdrum haben. Die ersten Stücke davon haben wir schon vor vielen Jahren gemacht, doch bisher sind sie alle nur in der Schublade gelandet, weil nicht klar war, was wir nun damit machen sollten. Über die letzten Jahre hat sich allerdings immer mehr davon angesammelt, bis wir damit begonnen haben, gezielter in diese Richtung zu arbeiten – und sie auch zuzulassen, obwohl das nicht unbedingt die Musik ist, für die wir bekannt sind.

uMagazine: Steht dafür auch der Albumtitel? Unbekanntes Terrain zu betreten, neue Seiten an sich selbst zu entdecken?

Wayan Raabe: Ja, das Album repräsentiert schon so ein bisschen die unbekannte Seite der Extrawelt. „Die unbekannte Seite der Extrawelt“ stand auch als Albumtitel im Raum, erschien uns dann aber doch eine Spur zu sperrig.

uMagazine: Mit Clubmusik haben dich deine Eltern in Verbindung gebracht, die in den 90er-Jahren Acid-House-Partys veranstaltet haben. Hatte Techno für dich da überhaupt ein rebellisches, subversives Moment inne?

Wayan Raabe: Na ja, ein bisschen Rebellion war trotzdem dabei. (lacht) Allerdings weiß ich nicht, ob ich ohne meine Eltern in diese Szene hineingerutscht wäre. In Hamburg gab es Mitte der 90er zum Beispiel den Plattenladen Delirium, und der Besitzer war ein Bekannter des Freundes meiner Mutter – das hatte natürlich schon Vorteile, wenn man dann dort hinkam und der Ladenchef einem erst mal gesagt hat: Hier sind die neuesten zehn Platten, hör dir die mal an!

uMagazine: Das waren vermutlich vor allem House- und Technoplatten. Doch ist es euch auch wichtig, Einflüsse außerhalb der Musik zuzulassen, die ihr selber macht?

Wayan Raabe: Absolut! Wenn ich im Plattenladen Vinyl kaufe, nehme ich alles Mögliche mit – das kann auch mal irgendein Country-Singer/Songwriter sein, den ich zufällig aus dem Regal ziehe. Wir machen unsere Musik sowieso nie mit einem Zweck, Plan oder gar dem Gedanken an eine Zielgruppe dahinter, sondern immer so, wie sie uns im Studio gerade passiert. Da sind möglichst viele Einflüsse immer von Vorteil.

 

Extrawelt • Album

Künstler: Extrawelt
Titel: Fear of an extra Planet
Label: Cocoon Recordings
VÖ: 20.10.2017

Leseempfehlungen

Gudrun Gut: Moment

Oneohtrix Point Never: Love in the Time of Lexapro