FAYE WEBSTER: Atlanta Millionaires Club

Auflegen oder aufregen? Die Musikredaktion hat sich mal wieder die Köpfe heißgeredet. Diesmal über Faye Websters Atlanta Millionaires Club …

Die Musikredaktion ist sich eigentlich nur in einer einzigen Sache einig: Ohne Musik geht es nicht. Aber schon bei der Frage, welche Musik es denn bitte sein soll, fliegen (manchmal) die Fetzen. Zumindest, wenn Michael, Carsten und Mitja sowie ein monatlich wechselnder Gasthörer sich zum Plattenchat treffen …

FAYE WEBSTER

Atlanta Millionaires Club

Jonah: Einen Großteil des letzten Jahres habe ich musikalisch mit Alt-Country verbracht, der zum Beispiel Kraut- oder Noiserock erkundet. Faye Webster zeigt hier sehr spannende Schnittpunkte mit Soul, Hip Hop und R’n’B auf, also bin ich konzeptuell schon mal an Bord. Nur die Umsetzung ist mir ein bisschen zu zahm.

Carsten: Ich nähere mich dem zweiten Album von Faye Webster aus einer ganz anderen Richtung: Eigentlich hasse ich die Pedal-Steel-Gitarre noch viel mehr als das Saxofon. Hier nicht, und das liegt auch daran, dass die 21-Jährige bei ihrem Grenzgang zwischen Country-Tradition und der HipHop-Szene in Atlanta auf Effekthascherei verzichtet.

Michael: Meinen „Ich kann Pedal-Steel-Gitarren ertragen“-Überraschungsmoment hatte ich kürzlich beim neuen Vampire-Weekend-Album. Wenn Webster die altbackene Countrypop-Grundierung zu anderen Genres hin öffnet, horche ich auch kurz auf – der Rest ist für mich unverfängliches Hintergrundrauschen für den Pub oder die Imbissstube.

Mitja: Sind es nun Country-Anleihen oder ist es doch eine Lap-Steel- aka Hawaii-Gitarre?! Die herrlich inszenierten Videos sprechen ja eindeutig für letzteres. Wie auch immer: Für mich ist Faye die Schönheit dieser Chatrunde.

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MITJA STEFFENS

wirft inspiriert von The Divine Comedy die Idee einer Verlags-Webserie in den Raum, schreibt Carsten die Hauptrolle als Weißer-Schoko-Suchti zu und hofft statt TDC aber auf Faye Webster als Soundtrack.

MICHAEL S. BENDIX

wäre mit Plaid als einziger Chat-Lieblingsplatte wohl nicht der geeignetste Music Supervisor für das Webserienprojekt – oder halt nur für die eher surrealen Momente, an denen es, seien wir ehrlich, eigentlich auch nicht mangelt.

CARSTEN SCHRADER

nimmt die Hauptrolle nur an, weil er sich nach dem angekündigten Rücktritt der Lochis um all die gebrochenen Herzen sorgt. Und für Faye Webster würde er auch im Hawaiihemd und sogar mit Fransenlederjacke in der Webserie auftreten

GASTHÖRER

JONAH LARA

hat uns als neuer Superpraktikant gleich vom ersten Tag an mit seinem Fachwissen über Sunn O))) und Alt-Country beeindruckt. Weil er die Texte zu unserer Festivalbeilage so schnell fertig hatte, war auch noch Zeit für ein fachkundiges Debüt beim Plattenchat. Trotzdem haben wir einen bösen Verdacht: Schreibt er womöglich auch noch nebenbei ein Drehbuch über eine komplett nerdige Musikredaktion?

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