Everything not saved will be lost – Part 1

Auf dem ersten von zwei neuen Alben besinnen sich die Foals wieder auf ihre Kernkompetenzen.

Ein paar Behauptungen: Von den Fünf-Typen-Gitarren-Schlagzeug-Bass-Bands der Nullerjahre sind die Foals womöglich die einzige, die noch heute Relevanz besitzt. Ihren möglichen Zenit hat die Band um Gitarrist und Sänger Yannis Philippakis trotzdem schon vor neun Jahren erreicht, mit dem zweiten Album „Total Life forever“, ihrer bis heute stringentesten Platte – auch, was die Qualität der Songs betrifft. Aber: „Everything not saved will be lost – Part 1“, das erste von zwei für 2019 angekündigten Alben, ist zumindest ihr bestes seitdem – eine Platte, die zwar endgültig klarstellt, dass die Foals, bei Wikipedia irrigerweise noch immer unter Mathrock geführt, vorläufig am Ende ihrer Soundevolution angekommen sind, aber auch eine, auf der die Band die richtigen Schlüsse aus ihr zieht. Im Grunde machen die Foals an den richtigen Stellen einige Schritte zurück und gleichzeitig mehrere nach vorn: Der Gitarrensound ist wieder dünner, skelettierter, setzt mehr auf Groove als auf die große Rockgeste – und das ist gut, denn wenn Philippakis und seine vier Mitstreiter je einem Missverständnis von sich selbst auferlegen sind, dann, dass sie trotz der druckvollsten Liveshows weit und breit in erster Linie als amtliche Rockband geschätzt werden könnten. Die Songstrukturen sind offener als zuletzt, der Fluss ist im Zweifel wichtiger als die Hookline; Ansätze von Breitbeinigkeit weichen mehr Detail- und Experimentierfreude, und auch mehr Elektronik, wie im wunderschönen Opener „Moonlight“, das mit einem kosmisch verfremdeten Chorsample überrascht. Apropos Überraschungen: Auch wenn die Foals dem Sound ihres Debüts mit dem eckigen „White Onions“ oder dem Quasi-Dance-Song „In Degrees“ so nahekommen wie lange nicht mehr, kann es auch mal passieren, dass die Arbeit der Gitarre von einem Xylofon übernommen wird („Cafe d’Athens“). Und der vorletzte Song „Sunday“, dramaturgisch etwas unglücklich zwischen ein 40-Sekunden-Interlude und eine ihr eigenes Potenzial verkennende Ballade gezwängt, ist erst strahlender Pop an der Schwelle von Schlaftrunkenheit zu Euphorie, um dann an Underworlds „Born slippy“ im Indierock-Setting zu erinnern. Ein Song, in dem alles steckt, was die Foals noch immer am besten können: Stadionmusik in unpeinlich, Elektronik für die Indiedisco, Indie für den Club. Was darauf jetzt wohl noch folgen mag?

 

Foals • Album

Künstler: Foals
Titel: Everything not saved will be lost – Part 1
Label: Warner Records
VÖ: 08.03.2019

Leseempfehlungen

Daughters: Daughters: Jetzt auf Tour

The Drums: The Drums: Brutalism