Hot Chip: Neues Album „A Bath full of Ecstasy“ und Songs für Katy Perry

Interview Steffen Rüth

Nach fast 20 gemeinsamen Jahren klingt der Elektropop von Hot Chip eingängiger als je zuvor. Was daran liegen könnte, dass Sänger Alexis Taylor eine berühmte Kollegin im Kopf hatte.

Hot Chip machen seit fast 20 Jahren zusammen Musik. Ihr neues Album „A Bath full of Ecstasy“ ist bereits der achte Langspieler, den die Londoner Band veröffentlicht.

Alex, ist „Bath full of Ecstasy“ euer Plädoyer für den Konsum synthetischer Bewusstseinsstimulanzen?

Alexis Taylor (lacht): Jeder, wie er mag. Ich selbst habe in meinem Leben noch kein Ecstasy genommen. Ich weiß also gar nicht, wie sich das anfühlt. Der Titelsong spricht eher in ganz klassischer Weise über die Liebe. Wie es sich anfühlt, in Leidenschaft mit einer anderen Person zu schwelgen und pure Freude im Beisammensein zu finden.

Auch „Spell“ klingt ziemlich sexy.

Taylor: Ja, voll. Joe und ich haben den Song ursprünglich für Katy Perry geschrieben. Katy hatte uns gefragt, ob wir ihr bei ihrem jüngsten Album „Witness“ helfen können, also haben wir losgelegt und mit Katy im Kopf komponiert. Ein gewisses erotisches Grundrauschen bleibt dabei nicht aus.

Aber Katy wollte den Song nicht?

Taylor: Sie hat dafür ein anderes Lied von uns genommen: „Into me you see“. Aber so ist es doch auch cool: Jetzt haben wir die Nummer für uns.

Ist das eine andere Nummer, für Katy Perry anstatt für Hot Chip zu schreiben?

Taylor: Das sind schon zwei paar Schuhe. Katy war wirklich lustig, voller Begeisterung und total entspannt – aber ihr Umfeld hat ganz schön gestresst. Es ist auch ein Unterschied, ob du nur deine eigene oder die Perspektive von jemand anderem einnimmst. Sonst müssen wir nur uns selbst gefallen. Hier hatten wir eine Kundin.

Wachsen alternativer Pop à la Hot Chip und massentauglicher Pop der Marke Katy Perry nicht sowieso immer mehr zusammen?

Taylor: Ja, diese Tendenz gibt es. Chartpop bietet immer mehr Raum für Experimente, während Indiepop sich nicht zu schade ist, auch mal radikal auf überschwängliche, enthusiastische Melodien zu setzen. Ich bin mit Pop aufgewachsen, aber auch mit Jazz, Country, House, Soul und Reggae. Ich mache mir keine Sorgen darüber, wo das eine Genre endet und das nächste beginnt.

Eure Single „Melody of Love“ hört sich im besten Sinne kommerziell und nach Sommer an. War das die Absicht?

Taylor: Nein, wir wollten die warmen Grooves und harmonischen Akkorde von Joe mit meinen sehr direkten Worten kombinieren. Im Text geht es darum, wie jeder nach Zugehörigkeit und seinem Platz in der Welt sucht. Wie so oft ist auch dieser Song nicht frei von Melancholie, geschrieben in einer Zeit, in der es in der westlichen Welt sehr chaotisch zugeht. Aber es ist nicht unsere Art, einfach Trump, Brexit und all den anderen Mist anzuprangern. Wir sind keine Protestband. Der Song spricht viel mehr darüber, wie wir etwas verloren durch die Welt staksen und nach einem Weg suchen, der Tristesse zu entkommen. „Melody of Love“ ist ein kleiner Freiraum bei all dem ganzen Ärger und Stress.

In „Hungry Child“ und „Positive“ thematisiert ihr Armut und Obdachlosigkeit. Hot Chip auf den Spuren von Phil Collins‘ „Another Day in Paradise“?

Taylor: Auch ernste Themen gehören in die Popmusik. Speziell in London sind diese Probleme nicht mehr zu übersehen und nicht mehr zu ignorieren. Die Strophen von „Positive“ erzählen eine triste, aber wahrhaftige Liebesgeschichte, und im Refrain explodiert die Euphorie. So lieben wir das.

„A Bath full of Ecstasy“ ist gerade erschienen. Das Album könnt ihr hier bei Amazon bestellen.

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