Ultraviolet

Wie mit geschlossenen Augen in der Wildnis liegen … so viel Hingabe sollte man Kelly Morans neuem Album schon gönnen.

Mit dem Experimentalelektroniker Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never verbindet Kelly Moran eine Stilverwandtschaft, sodass der Künstler sie kurzerhand einlud, Teil seiner interdisziplinären Performance „Myriad“ zu werden – klar, dass Moran mit ihrem zweiten Album „Ultraviolet“ nun ebenfalls beim traditionsreichen Elektrolabel Warp gelandet ist. Wenn ein Erlebnis nahe ihres Kindheitsortes den Ausschlag für das Album gab, bei dem die Musikerin die Naturgeräusche um sich herum aufsog und sich fragte, wie sie die damit verknüpften Gefühle in Musik überführen könnte, geht ihr Konzept auf – vorausgesetzt, man lässt sich auf „Ultraviolet“ ähnlich kompromisslos ein, als würde man mit geschlossenen Augen in der Wildnis liegen und sich die Umgebung rein audiosensorisch erschließen. Die sieben Stücke fordern Geduld ein, faszinieren aber auch: Im Grunde ist das avantgardistische Kammerklassik mit elektronischen Mitteln, nicht umsonst lehnt sich „Water Music“ zumindest qua Titel an Georg Friedrich Händel an. Wenn etwa die flirrenden Synthie-Arpeggios von „Helix“ immer neue Klangschichten auftürmen und das skelettierte Soundscape langsam an Struktur gewinnt, dann ist das betörende Kunstmusik, die das Fremde und das Vertraute, das Künstliche und das Organische unmerklich ineinander übergehen lässt. msb

Kelly Moran • Album

Künstler: Kelly Moran
Titel: Ultraviolet
Label: Warp Records
VÖ: 02.11.2018

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