Contemporary Music

München, Berlin, L. A., New York …

Kelvyn Colt ist der nächste US-Rapper – kommt aber eigentlich aus der Nähe von Wiesbaden …

Reeperbahn Festival 2018. Die Konzertplanung ist überfordernd wie üblich, deshalb habe ich mein Augenmerk vor allem auf HipHop gelegt. Ganz oben auf der Liste steht Kelvyn Colt: Ein vielversprechender US-amerikanischer Newcomer, denke ich, und tue das auch noch, als der DJ vor der Show das Publikum anheizt. „Are you ready for Kelvyn Colt?“ Klar! Schließlich betritt Colt die Bühne des Hamburger Indra-Clubs, reißt gleich mit dem Opener alles ab – und wechselt bei der ersten Ansage von akzentfreiem Englisch in eine Anti-AfD-Ansprache in lupenreinem Hochdeutsch. Tatsächlich kommt der Rapper nicht etwa aus Florida, sondern wuchs in der Nähe von Wiesbaden auf, auch wenn sich Tracks wie „Just watch me“ kaum vor aktuellen US-Helden wie Denzel Curry oder Young Thug verstecken müssen. Das ist auch in Amerika schon angekommen: Deshalb pendelt der 24-Jährige mittlerweile zwischen München, Berlin, L.A. und New York, die Daten eines schicksalhaften One-Way-Fluges nach London bilden den Titel seiner bisher einzigen EP „LH914“, die von R’n’B über Westcoast-Einflüsse bis hin zu Trap reicht. Textlich verarbeitet Colt auch seine Erfahrungen als Weltenwandler, der nirgends ganz zu Hause ist – und deshalb gleichzeitig überall. Auch wenn man Colt aufgrund der teils bleischweren Beats und seiner rauen Stimme für hart halten mag, ruft er schon mal seine Fans auf Instagram dazu auf, sich zu vernetzen und kennenzulernen, anstatt aus Scham lieber nicht allein auf seine Konzerte zu gehen. Der Rapper lässt sich nicht so leicht festlegen – umso gespannter kann man sein, wann mit einem Debütalbum zu rechnen ist, und vor allem: wie es klingen wird.

Kelvyn Colt • Album

Künstler: Kelvyn Colt
Titel: LH914
Label: Four Music
VÖ: 17.11.2017

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