Contemporary Music

Klang und Klinge

Mit Schönheit kennt sich der italienische Komponist Luca D’Alberto aus. Jetzt interessieren ihn auch die Abgründe.

Luca D’Alberto ist ein Einzelkämpfer. Wenn der italienische Multiinstrumentalist sein zweites Album „Exile“ nennt, dann ist der Titel durchaus wörtlich zu verstehen: Beim Komponieren spielt der italienische Komponist alle Instrumente selbst ein und duldet weder einen Produzenten noch andere Musiker an seiner Seite. „Ich verbarrikadiere mich, um mich vollkommen unbefangen und ungefiltert selbst auszudrücken“, sagt er und betont die Schwierigkeit, anders als viele seiner Neoklassikkollegen nicht das Klavier als Hauptinstrument zu haben, das ihm bei der Navigation durch den kreativen Prozess hilft. „Vielleicht ist die Violine schon mein Haupterzähler und oft lasse ich die anderen Instrumente auf sie reagieren und ihr zuarbeiten, trotzdem ist es immer ein vertikaler Schöpfungsprozess und nicht nur ein horizontaler.“

 

Zeitlose Schönheit bringt ihm prominente Bewunderer

 

Es sind kraftvolle und eingängige Melodiebögen, die die Musik von Luca D’Alberto prägen und deren zeitlose Schönheit ihn in der Vergangenheit bereits zahlreiche prominente Bewunderer eingebracht haben: Das Tanztheater Pina Bausch, der Regisseur Peter Greenaway und die Multimediakünstlerin Saskia Boddeke wollten seine Kompositionen für ihre Projekte. Auch auf D’Albertos Debütalbum „Endless“ spielte die Elektronik vor zwei Jahren zunächst nur eine untergeordnete Rolle und diente vor allem dazu, die Strahlkraft seiner Melodien zu akzentuieren und ihnen zuzuarbeiten.

 

 

Mit „Exile“ ist er nun einen Schritt weiter gegangen: „Jeder erhabene Moment der Schönheit ist auch mit Gefahren verbunden, und um zu einem wirklich ehrlichen Ausdruck zu kommen, muss ich auch die Messerspitzen hörbar machen, die selbst im harmonischsten Moment kurz aufblitzen können.“ Für diese Abgründe hat er mit dem vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Apparat bekannten Elektroproduzenten Patrick Christensen alias PC Nackt auch einen Partner an seiner Seite geduldet. „Von Anfang an war ein großes Vertrauen da, und die Zusammenarbeit hat sich angefühlt, als würde ich mit einem alten Freund über sehr persönliche Dinge sprechen“, schwärmt D’Alberto. Immer wieder tauchen in den acht Kompositionen von „Exile“ verborgene Elemente auf, beim Track „Consequences“ verschieben Percussions die Tiefenstruktur, und wenn sich die beiden für „Pianodiscotheque“ einen Berliner Club vorgestellt haben, bei dem die Leute zu einer ganz anderen Art von Musik tanzen, dann ist dieser Club Freiraum und Gefahr zugleich. „Dieses Album hat in mir eine Tür geöffnet“, sagt D’Alberto, „und ich kann gar nicht abwarten zu erfahren, was dahinter noch alles lauert.“

LIVE ab 7. November

Tickets gibt es zum Beispiel hier bei Reservix oder hier bei Eventim

Luca D'Alberto • Album

Künstler: Luca D'Alberto
Titel: Exile
Label: K7!
VÖ: 05.10.2018

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