Ständige Kämpfe und Mäkeleien

Lucy Rose zieht nach zehn Jahren im Musikbusiness mit dem Album „No Words left“ Bilanz: Es ist nicht alles rosig bei der britischen Singer/Songwriterin – aber aus Krisen wird man ja bekanntlich stark.

uMagazine: Welches Resümee ziehst du nach den ersten zehn Jahren im Musikgeschäft, Lucy?

Lucy Rose Parton: Es war eine Zeit ständiger Kämpfe und Mäkeleien: Ich bräuchte mehr Make-up, eine Stylistin, diesen oder jenen Co-Autor für die Songs und eine andere Band. Vielen in der Industrie gefällt eine Frau, die sich natürlich gibt, einfach nicht.

uMagazine: Dient dein neuer Song „Treat me like a Woman“ noch einmal der Klarstellung?

Lucy Rose Parton: Genau so ist es. Was meinst du, wie oft ich mir schon gezielt Schwärmereien über Rita Ora anhören musste? Die sähe sexy und aufregend aus, so müsse das sein. Ich finde das einfach nur entwürdigend. Bei mir siehst du immer dasselbe Shirt und dieselbe Hose im Video. Es geht um richtige Musik, nicht um einen Show-Act.

 

 

uMagazine: Hast du ein Vorbild, das dich in deiner Position stärkt?

Lucy Rose Parton: Joni Mitchell, ganz klar. Ich bin von ihrer Musik und ihrer Persönlichkeit total begeistert. Mir hat ihre Biografie „Reckless Daughter“ wahnsinnig gut gefallen. Darin erzählt sie, dass sie ihre beste Musik geschrieben hat, als sie deprimiert war – zu Zeiten von „Blue“ etwa. Da musste sie durch, das war ihr Weg.

uMagazine: Beim Lesen der Texte zu deinem neuen Album „No Words left“ hat man auch den Eindruck, dass du eine schwierige Phase durchmachen musstest. Ist das so?

Lucy Rose Parton: Ja, der letzte Sommer ist wirklich schlimm gewesen für mich. Ich lebte nur so vor mich hin, so als schlafwandelte ich die ganze Zeit. Nur Gartenarbeit hat mir Kraft gegeben. Selbst mein Mann kam nicht an mich ran und konnte das Gestrüpp aus Tragödien, Ängsten und Krisen in mir nicht entwirren. Eine Therapie hat mir letztlich geholfen.

uMagazine: Wie sehr hat diese Phase deine Musik geprägt?

Lucy Rose Parton: Da ich mit all diesen Emotionen zu kämpfen hatte, brauchte ich als Sängerin mehr Raum in meiner Musik, keinen überflüssigen Schlagzeugbeat, und die elektrische Gitarre sollte nicht dominieren, sondern kolorieren. Streicher sorgen für einen Hauch von Melodie. Es sind Balladen, die von düsteren Dingen handeln, aber auch andeuten, wie man Dunkelheit hinter sich lässt.

 

Lucy Rose • Album

Künstler: Lucy Rose
Titel: No Words left
Label: Communion Records
VÖ: 22.03.2019

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