Contemporary Music

Präzision und Höflichkeit

Interview Jan Paersch

Der Pianist Nik Bärtsch kommt mit seiner „Zen-Funk“-Band Ronin auf Tour. Und er kann auch erklären, warum man als Schweizer nicht an japanischer Kultur vorbeikommt.

uMagazine: Nik, du bist stets schwarz gekleidet. Was bedeutet die Farbe für dich?

Nik Bärtsch: Schwarz ist für mich die Farbe des Lebens. In Japan ist Weiß die Farbe des Todes. Schwarz ist die Farbe der engagierten Neutralität – und der totalen Präsenz. Ich muss auch nicht überlegen, was ich anziehen soll. In dunklen Kleidern kannst du sowohl zu einem Empfang gehen als auch deine Instrumente aufbauen.

uMagazine: Die streng durchkomponierten Songs zwischen Jazz und Minimal Music machen die Faszination deiner Band Ronin aus. Aber auf Konzerten improvisiert ihr auch, oder?

Nik Bärtsch: Bei Improvisation denkt man meist an einen Solisten, der eine Kür aufführt. Bei uns hat das etwas mit einem Verständnis für den Gruppenraum zu tun. Ein Spieler bei uns soll so viel Freiheit haben wie ein Tier, das sich tarnt. Wenn es sich bewegt, kannst du es sehen, und wenn es still steht, ist es ein Teil des Bildes. Es ist für jeden von uns wichtig, ein Bestandteil des Ganzen zu sein. Von außen kann man dann am Schluss nicht mehr erkennen, was komponiert und abgemacht und was im Moment erfunden wurde.

uMagazine: Du praktizierst Aikidō und Meditation. Was war deine erste Begegnung mit japanischer Kultur?

Nik Bärtsch: Schon als kleines Kind habe ich die japanischen Kunstwerke in der Wohnung eines Freundes meines Vaters bewundert. Das hat mir außerordentlich gefallen und mich sinnlich inspiriert. Als ich 14 Jahre alt war, habe ich mich dann ins Kino geschmuggelt, in den ab 16 freigegebenen Film „Ran“ des legendären Regisseurs Akira Kurosawa. Die blutigen Schlachten waren schockierend, aber die Energie und Musik darin haben mich fasziniert. Von da an habe ich mich intensiv mit kulturellen Phänomenen aus Japan, vor allem mit der Zeichenkunst, beschäftigt.

uMagazine: Gibt es etwas, das Japan und deine Heimat Schweiz verbindet?

Nik Bärtsch: Die Höflichkeit und Gemeinschaft, aber auch die Präzision im Design. Natürlich auch die Pünktlichkeit der Züge. Im Übrigen war Japan das Land, in dem ich zum ersten Mal im Leben als weißer Europäer Rassismus gespürt habe. Und das ist eigentlich eine ganz lehrreiche Erfahrung.

 

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Nik Bärtsch • Album

Künstler: Nik Bärtsch
Titel: Awase
Label: ECM
VÖ: 02.05.2018

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