Contemporary Music

Garden of Stone

Auflegen oder aufregen? Die Musikredaktion hat sich mal wieder die Köpfe heißgeredet, diesmal über P. A. Hülsenbeck …

Die Musikredaktion ist sich eigentlich nur in einer einzigen Sache einig: Ohne Musik geht es nicht. Aber schon bei der Frage, welche Musik es denn bitte sein soll, fliegen (manchmal) die Fetzen. Zumindest, wenn Carsten, Michael und Mitja sowie ein monatlich wechselnder Gasthörer sich zum Plattenchat treffen …

 

P. A. Hülsenbeck

Garden of Stone

Anne: Für mich die interessanteste Platte dieser Reihe. Weil sie so einen fantastischen Sound hat, gleich mit so einem warmen Saxofon einsteigt, tolle Stimme, Schlagzeug schön transparent. Das ist Jazz natürlich, erinnert an Moondog, dessen Sound ich eh so verfallen bin, dass ich da schon nicht mehr objektiv bin!

Verena: Geht mir wie Anne. Ganz große Liebe! Auch wenn stellenweise die folkloristische Geräuschatmosphäre des Ex-Sizarr-Musikers so vor 20 Jahren schon von Calexico geprägt worden ist. Dafür setzt sie statt auf Mariachis auf hölzerne Bläser.

Carsten: Ich buhle mit. Nachdem ich mit seinem Elektroprojekt Doomhound nicht so viel anfangen konnte, habe ich nicht erwartet, dass diese Platte mich so umhaut. Erinnert mich von den Arrangements her an Mark Hollis, und ich liebe Hülsenbecks brüchigen Gesang und seine ungewöhnlichen Sprachbilder. Wollen wir mit ihm einen Tanztheaterkurs besuchen, Mitja?

Mitja: Vielleicht sollten wir das, denn bis jetzt ist mir die Platte nämlich schnell zu viel. Zu viel Kunstgehabe, zu große Gesten. Eine kleine Dosis davon kann ich aber gut einwerfen, zum Beispiel im Zusammenspiel mit dem schönen Video zu „A Serpent of Velour”, in dem Hülsenbeck durch die Natur tanzt – in der Kombination bin ich dann ganz bei euch.

 

Wer hat mitdiskutiert?

VERENA REYGERS

fragt sich, ob man den Chat nicht zum Clubgig umfunktionieren sollte, wenn Bands wie Wargirl und Lafote live besser funktionieren als auf Platte. Andererseits, ist es im neuen Höhlenbüro der Musikredaktion viel muscheliger als da draußen in den hanseatischen Indiekellern.

MITJA STEFFENS

schlägt statt bloßem Clubgig gleich ein ganzes Chatfestival vor und malt sich schon eine Bookingliste voller Chatschönheiten aus. Dafür ließe sich doch bestimmt auch Carsten aus der Büromuschel locken?

CARSTEN SCHRADER

schlägt in diesen muscheligen Zeiten die alte Bundeshauptstadt als Austragungsort vor, und neben den von Verena gebuchten Acts wünscht er sich unbedingt auch PA Hülsenbeck und seinen ehemaligen Sizarr-Kollegen Jungstötter für das erste Chatfestival.

GASTHÖRERIN

ANNE OTTO

ist Sängerin des Pop-Duos Von Luft, das sie zusammen mit Jochen Schmadtke macht. Im Frühling 2019 erscheint auch ein erstes gemeinsames Album mit dem Titel „Von Luft“ bei einem Berliner Label. Bisher haben die beiden unter dem Namen Helikon Musik gemacht. Frisch verlieben kann man sich derzeit am besten hier: https://soundcloud.com/helikon oder unter http://helikonmusik.de

 

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