Contemporary Music

Powerhouse

Auflegen oder aufregen? Die Musikredaktion hat sich mal wieder die Köpfe heißgeredet, diesmal über Planningtorock …

Die Musikredaktion ist sich eigentlich nur in einer einzigen Sache einig: Ohne Musik geht es nicht. Aber schon bei der Frage, welche Musik es denn bitte sein soll, fliegen (manchmal) die Fetzen. Zumindest, wenn Carsten, Michael und Mitja sowie ein monatlich wechselnder Gasthörer sich zum Plattenchat treffen … Es gibt natürlich Ausnahmen. Ausnahmekünstler? Planningtorock ist sicher beides …

 

Planningtorock

„Powerhouse“

Jakob: Gefällt mir, ist aber nicht gefällig. Einige Songs verstehe ich nicht gleich und will bewusster zuhören. Eine der Platten, die mir versprechen, mit jedem Durchlauf besser zu werden. Voll gut.

Michael: Ich glaube, das ist genau die Musik, die es zurzeit braucht: Queer, politisch, sexpositiv, fordernd und gleichzeitig catchy. War immer Fan, und hier bin ich komplett begeistert davon, wie Planningtorock auf dem Album sowohl auf inhaltlicher als auch formaler Ebene Geschlechtergrenzen aufhebt, mit der verfremdeten Stimme oder Hits wie dem minimalistischen R’n’B-Track „Transome“, den ich jetzt einfach mal zum sexiesten Song des Jahres nominiere: „Kissing my genders / in the bedroom Light“.

Carsten: Großartige Zusammenführung von „W“ und „All Love’s legal“. So gut ich den Vorgänger fand, fehlte mir bei den sloganartigen Texten die persönliche Durchdringung. Darf ich ein bisschen zu euphorisch sein? Hier wird die emotionale Tiefe von Frank Oceans Überalbum „Blonde“ auf die Tanzfläche übertragen.

Mitja: Da schließe auch ich mich an. Bei dem zeitgemäßen, futuristischen Popsound muss man gar nicht auf die Vorbildfunktion in Sachen Gender verweisen. Vielleicht ein bisschen mit The Knife zu vergleichen.

 

Wer hat mitdiskutiert?

MICHAEL S. BENDIX

findet sein Glück – mit mindestens einer Ausnahme! – Im November eher wieder außerhalb des Chats: auf dem Beach-House-Konzert, im Kino bei „Suspiria“ oder in Joey Purps Album „Quarterthing“, dem vielleicht besten HipHop-Debüt des Jahres.

MITJA STEFFENS

findet in diesem Monat an vielen Platten Gefallen – und dann aber doch sofort wieder ein Haar in der Soundsuppe. Macht ja nix, mittlerweile definiert er es als seine Kernkompetenz, sofort loszublöken und das dann von den anderen ausbaden zu lassen.

CARSTEN SCHRADER

wägt gerade ab, ob er für die Liebe nach Bonn umziehen würde. Vielleicht ist ein Standortwechsel aber auch aus musikalischen Gründen denkbar? Mit Tom Krell wäre eine WG in L.A. durchaus vorstellbar, und Mocky könnte er dann ja auf einen Veggieburger treffen.

GASTHÖRER

JAKOB GROOTHOFF

hat mit seiner Band Lafote ein paar Jahre gewartet, um jetzt endlich ein extrem aufregendes Indierock-Debüt zu veröffentlichen. Wenn „Fin“ Mitte November erscheint, geht Groothoff auch mit seinen beiden Mitstreitern auf Tour: 14. 11. Hamburg, 15. 11. Berlin, 16. 11. Bremen, 17. 11. Lüneburg

 

Planningtorock • Album

Künstler: Planningtorock
Titel: Powerhouse
Label: AFP
VÖ: 09.11.2018

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