PNL: Vom Bordstein zur Skyline

Unten anfangen, oben ankommen: Die Geschichte von PNL ist nicht neu – doch das französische HipHop-Duo erzählt sie anders.

Es ist die alte, tradierte Erzählung: Die Brüder Tarik und Nabil Andrieu alias Ademo und N.O.S. sind im Pariser Problemviertel Les Tarterêts aufgewachsen, ihre Mutter ist meistens abwesend und der Vater in kriminelle Machenschaften verwickelt. Eines Tages geraten auch die „deux Frères“ – so der schlichte Titel ihrer neuen Platte – auf die schiefe Bahn. Doch ihre Geschichte handelt nicht nur von Gewalt und Knastaufenthalten, sondern auch von der kathartischen Wirkung der Musik, genauer: des HipHop. Erst im Jahr 2015 sind die beiden als Rapduo PNL auf der Bildfläche erschienen, schon jetzt erscheint ihr viertes Album, das nicht nur eine steil nach oben zeigende Erfolgskurve, sondern auch eine stetige Entwicklung markiert: Wo PNL mit klassischem Straßenrap begonnen haben, ist davon mittlerweile nicht mehr viel übrig. Von der Straße vielleicht: Immer wieder thematisieren und reflektieren die Musiker ihre Herkunft in den Texten. Vom Rap indes weit weniger, denn auf „Deux Frères“ hat fast vollständig der Gesang übernommen, natürlich mithilfe von Autotune verfremdet – und zwar so weit, dass Ademo und N.O.S. kaum noch voneinander zu unterscheiden sind. Ihre Erfahrungswerte und Erlebniswelt, scheinen sie damit zu sagen, sind nahezu identisch. Zwei Künstler mit einer gemeinsamen Stimme, über die ansonsten aber kaum etwas bekannt ist, weil sie grundsätzlich keine Interviews geben und ihre Songs für sich sprechen lassen.

Rapper wie Nimo, Haftbefehl oder Xatar haben sich bereits zu Fans erklärt, und es wäre nicht das schlechteste, sollte vom aktuellen PNL-Sound etwas in die hiesige deutschsprachige HipHop-Szene einsickern: Wenn sie lyrisch mit klassischen Motiven wie etwa der von Al Pacino gespielten, von zahlreichen Rappern kultisch verehrten Filmfigur Tony Montana aus „Scarface“ hantieren, dann lassen sie das glorifizierende Narrativ vom Gangster, der sich ohne Rücksicht nach oben kämpft, nicht unhinterfragt. Anstatt ihren Weg zur Aufsteigerstory zu stilisieren, übersetzen PNL die nicht selten schmerzhaften Stationen ihres Lebens in Melancholie – auch musikalisch: „Au DD“ tänzelt um eine melancholische Gitarrenfigur, „Autre Monde“ dimmt den Beat auf Ultra-Slow-Motion-Tempo herunter, und „A l’ammoniaque“ nimmt schließlich fast cineastische Züge an.