Sinkane: Feiern, was die Rechten hassen

Auf seinem siebten Album „Dépaysé“ stellt Sinkane immer noch die gleichen Fragen über das Leben im heutigen Amerika. Doch die Antworten haben sich geändert.

Schon 2012 hat Ahmed Abdullahi Gallab alias Sinkane mit „Mars“ ein Album veröffentlicht, in dem sich der gebürtige Londoner, der seine Wurzeln im Sudan hat und mit fünf Jahren in die USA gezogen ist, eingehend mit Rassismus beschäftigt hat. „Als schwarzer, muslimischer Amerikaner werde ich allzu oft als Ausländer in meinem eigenen Land bezeichnet“, sagte er damals, „und tatsächlich fühle ich mich manchmal wie einer.“

Sieben Jahre später ist die Situation nicht besser geworden, der Hass hat nur andere Gesichter bekommen – manche davon sehr gut sichtbar. Es wäre naheliegend gewesen, darauf mit Resignation oder Wut zu reagieren. Doch Sinkane hat einen anderen Weg gewählt. Während die sogenannten white supremacistsvor einer Vermischung der Kulturen warnen, zelebriert der Künstler sie auf musikalische Weise erst recht: Sudanesischer Folk, Soul, Psychedelic-Rock, Jazz und gefühlt ein Dutzend anderer Stile konglomeriert Sinkane zu einer von schierer Spielfreude angetriebenen Euphoriemusik. „Ich glaube daran, dass eine diverse Welt in jeder Hinsicht eine bessere ist“, bestätigt er seinen Ansatz. „Es ist wichtig für mich, das auch mit meiner Musik zu transportieren.“

Auch auf die vieldiskutierte Frage, ob und wie mit Rechten zu reden ist, scheint Sinkane eine Antwort gefunden zu haben. „Message to the one’s who keep sayin’ to make America great again“, heißt es in „Everybody“ ganz explizit – und nachdem Sinkane auch Mitglieder seiner Familie anruft, beschließt er den Song mit „Don’t you know we’re all on the same team“. Wenn er dann auch noch völlig ungebrochen „Our love’s for everyone“ proklamiert, führt das zunächst zu einem alten Paradoxon: Schließt grenzenlose Toleranz auch die Intoleranten ein? „Auf die, die mich nur aufgrund meines Aussehens hassen, mit Hass zu reagieren, halte ich für kontraproduktiv“, sagt Gallab. „Natürlich blicke ich völlig anders auf die Welt, aber ich sehe da vor allem Angst und Ignoranz – dem versuche ich, mit Positivität entgegenzuwirken.“

Der Albumtitel „Dépaysé“, der so viel meint wie „sich aus der gewohnten Umgebung herausgerissen fühlen“, deutet an, dass der Selbstverortungsprozess für Sinkane noch nicht vorbei ist. Aber noch nie klang er dabei so entschieden. „Auf meinen vorherigen Platten habe ich auch sehr persönliche Erlebnisse verhandelt, dann aber versucht, sie möglichst vage zu halten“, erklärt der Musiker. „Diesmal ist mein Zugang wesentlich direkter – deshalb singe ich die Songs mit noch mehr Leidenschaft.“

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