Das Gegenteil von Punkrock

Auf dem neuen Album der Sleaford Mods geht es nicht nur dem Post-Brexit-Großbritannien an den Kragen, sondern auch den eigenen Widersprüchen.

uMagazine: Jason, „Eton Alive“ ist einerseits eine klassische Sleaford-Mods-Platte, und doch klingt es an vielen Stellen anders. In „When you come up to me“ etwa singst du – und zwar in einem schon fast lieblichen Tonfall.

Jason Williamson (lacht): Danke! Ja, in manchen Aspekten hatten wir diesmal eine andere Herangehensweise. Wir wollten uns nicht stur wiederholen und irgendwann als One-Trick-Ponys gelten, deshalb haben wir uns mehr als sonst an Popstrukturen orientiert. Vielleicht liegt das an meiner wachsenden Liebe für R’n’B und daran, dass ich in letzter Zeit viel Chaka Khan gehört habe. Dieses Gefühl wollte ich in die neue Platte einfließen lassen, wenn ich auch offensichtlich nicht die Stimme dafür habe.

uMagazine: Es wimmelt bei euch vor kulinarischen Anspielungen. Eurem eigenen Label habt ihr den Namen Extreme Eating gegeben, und in fast jedem Song geht es mindestens einmal um Essen.

Jason Williamson: Essen ist zum einen unbestreitbar wichtig. (lacht) Zum anderen trinke und rauche ich nicht mehr und versuche stattdessen, mich nicht nur am Leben, sondern in einer möglichst guten Form zu halten – deshalb kreisen viele meiner Gedanken um Ernährung, und wenn ich so darüber nachdenke, ist dieses Thema wohl eher unterbewusst in die Texte eingeflossen.

uMagazine: Dabei hat auch eines der erschreckendsten Bilder des Albums damit zu tun: das der Spinne, die aus dem Döner gekrochen kommt.

Jason Williamson: Ich hatte diese surreale Szene im Kopf. Eine Person weigert sich, ihre Kreativität an den kommerziellen Markt zu verkaufen, also wird sie in die Obskurität gedrängt. Nun sitzt sie da mit einem auf der Straße gekauften Stück Billigfleisch, und der Albtraum des kreativen Scheiterns kriecht in Form einer riesigen Spinne aus der Spitze des Döners – das ist wohl der Preis, wenn du nicht bereit bist, Teil dieser Lügen zu werden. In den letzten Jahren haben wir an einigen Award-Shows teilgenommen, und ich fand es ziemlich verstörend, zwischen all diesen Promis zu stehen, die Ruhm und Geld für eigentlich überhaupt nichts besitzen. Was die machen, ist nur Scheiße. Das ist natürlich allgemein bekannt, aber wenn man so unmittelbar damit konfrontiert ist, werden einem die Dimensionen noch mal bewusster.

uMagazine: Warum geht ihr trotzdem hin?

Jason Williamson: Das ist ein Widerspruch, den wir auch im Song „OBCT“ thematisieren – die Gefahr, zu dem zu werden, was man kritisiert. Zu solchen Veranstaltungen zu gehen, ist das Gegenteil von Punkrock, und du beginnst, dich ein wenig dafür zu hassen.

Sleaford Mods • Album

Künstler: Sleaford Mods
Titel: Eton alive
Label: Extreme Eating
VÖ: 22.02.2019

Sleaford Mods • Listening

Videopremiere: "Kebab Spider" von den Sleaford Mods

Sleaford Mods • News

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