Sunn O))): Life Metal

Auf ihrem neuen Album finden die Drone-Metal-Helden wieder in die Spur zurück – und zu erstaunlich hellen Resultaten.

Spätestens seit ihrem Triumph „Monoliths & Dimensions“ avancierten Stephen O’Malley und Greg Anderson zu Recht zum Radiohead-Äquivalent der Metalszene. Noch so eine Band, die man nicht nur überall ungestraft gut finden darf, sondern über die man auch eigentlich nichts Schlechtes sagen kann, außer vielleicht: Ist halt nicht so meins. Da fallen Worte wie „transzendental“ und „meditativ“, und dann die Live-Erfahrung der Lautstärke – das ist ja schon alles toll. Aber auf ihren letzten Alben wirkten die Krawalldruiden in ihrem Sound ähnlich festgefahren wie der Diskurs um sie. Ihre besten Momente hatte die Band, wenn sie ihre monolithischen Klanggebirge von anderen Künstlern besteigen ließ – etwa auf „Soused“, ihrer ebenso wahnwitzig anmutenden wie letztlich glorreichen Kooperation mit Scott Walker.

So lebhaft – und ja, warm – wie auf „Life Metal“ klangen Sunn O))) unter sich indes noch nie. Nicht mal auf „Monoliths & Dimensions“. Die Lärmwolken, die Anderson und O’Malley auf „Between Sleipnir’s Breath“ sechs Minuten lang heraufbeschwören, sind durchzogen von nuancierten Feedback-Schlieren, gegen die sich Hildur Guðnadóttirs entrückte Spoken-Word-Performance abzeichnet wie Sonnenstrahlen nach einem Sturm. Elektronische Celli, eine Orgel und Guðnadóttirs jenseitiges Haldorophon brechen „Troubled Air“ wie ein Kaleidoskop aus Rauch, und die dicht gewundenen Gitarren auf „Aurora“ sind durchzogen von sanft schillernden Synthesizer-Fäden. Diese Lichtpunkte, von Steve Albini mit sicherer Hand in den sie umgebenden Lärm eingebettet, akzentuieren diese seltsam helle Spielart des wohl düstersten Metalgenres – und sie sorgen dafür, dass man beim brachialen Sound der Gitarren zum ersten Mal seit Jahren wieder hinhört.

Jonah Lara

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Sunn O))) • Album

Künstler: Sunn O)))
Titel: Life Metal
Label: Southern Lord
VÖ: 26.04.2019

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