Dieser eine Song

Selbst wer noch nie den Namen Brian Fennell alias SYML gehört hat, dürfte seinen Hit „Where’s my Love“ kennen. Doch auf seinem Debütalbum ist sogar ein noch viel spannenderes Stück.

„Natürlich hat sich im Laufe der Jahre die Bedeutung des Stücks für mich verändert, aber ich bin immer wieder aufs Neue ergriffen, wenn ich den Song bei meinen Konzerte spiele“, beteuert der 36-jährige Brian Fennell seine ungebrochene Verbundenheit mit der tieftraurigen Ballade, die er Anfang 2016 als SYML zum allerersten Mal ins Netz gejagt hat. Mittlerweile kommen die vier verschiedenen Versionen von „Where’s my Love“ auf insgesamt 160 Millionen Streams bei Spotify und waren in unzähligen Fernsehsendungen sowie wohl jedem zweiten Café zu hören, doch schon als sich die Wahnsinnsresonanz erst nach und nach abzuzeichnen begann, hatte Fennell sich vorgenommen, auf der Hut zu sein. „Schon damals hatte ich mir geschworen, mich wegen des Erfolgs nicht auf Balladen mit Streichern, Synthies oder Klavier einzuengen.“

 

 

Wenn nach diversen EPs jetzt endlich das Debütalbum des Musikers aus Seattle erscheint, setzt er natürlich auch auf seine Kernkompetenz und haut Dreampopkompositionen mit entwaffnend aufrichtigen Texten raus: „Girl“ bildet seine Ängste ab, als sich seine kleine Tochter einer lebensgefährlichen Operation über sich ergehen lassen musste, und wenn er „Connor“ seinem neugeborenen Sohn widmet, hält er den Song kitschfrei, indem er mit seinem eigenen Schicksal als Adoptivkind kontrastiert. Doch sind auf „SYML“ eben auch forschere Stücke vertreten: der wavige Opener „Clean Eyes“, „Animal“ – und eben auch „Break free“, ein Song, bei dem er mit sich selbst sehr hart ins Gericht geht. „Der Song geht auf ein Treffen mit mehreren Vertretern aus der Musikindustrie zurück“, erinnert er sich. „Sehr schnell sind da misogyne Bemerkungen gefallen, und ich habe mitgemacht, weil ich geschwiegen und dem nichts entgegengesetzt habe.“ Mag sein, dass Fennell den Song nutzt, um sich rehabilitieren. Doch spektakulär ist er vor allem deshalb, weil er eine enorm wichtige Mahnung in sich trägt. „Mich hat erschrocken, wie schnell man fahrlässig wird und sich selbst nicht mehr kontrolliert, weil man meint, vor gewissen Tendenzen gefeit zu sein.“

 

 

SYML • Album

Künstler: SYML
Titel: SYML
Label: Nettwerk
VÖ: 03.05.2019

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