High pitched and moist

Nieder mit der Heteronormativität!

Wenn Tami T wie im Vorprogramm von Fever Ray mit einem zum Synthesizer umfunktionierten Umschnalldildo auftritt, dann ist das weit mehr als ein Gimmick, sondern eine konsequente Überführung der musikalischen Themen ins Performative – denn Tami T bringt Sex zum Klingen und die damit verbundenen heteronormativen Vorstellungen zum Einsturz. Die oft expliziten, gleichzeitig von einer großen Sensitivität durchdrungenen Lyrics, gemäß dem Titel des Albumdebüts mit gepitchter Stimme vorgetragen, drehen sich um das lustvolle Übertreten von Tabus genauso wie um die Untiefen der Liebe und queere Lebensrealitäten; gekleidet in catchy Elektropop, der nicht nur Einflüsse der Clubkultur von Tami Ts Wahlheimat Berlin geltend macht, sondern sich auch für Eurodance-Verweise nicht zu schade ist. Doch auf „High pitched and moist“ kommen diese Verweise ohne jeden ironischen Gestus aus, der Sound ist immer an Gefühle rückgekoppelt, das Billige bekommt so etwas Rührendes und mithin Melancholisches – was auch an Tami Ts Melodien liegt, die gleichzeitig vertraut und unverbraucht klingen. Zusätzlich zu den Vorab-Singles, der berührenden Chronik eines sexuellen Identitätsfindungsprozesses („Fourteen“) sowie dem trotzig-gewitzten Empowerment von „Princess“, das Yann Tiersen in die Kirmesdisco einlädt, kommt hier noch mindestens ein Dutzend weiterer Hits: Sexpositive Hymnen („Face Riding“), ein Technopop-Prosagedicht über den irrationalen Kreislauf von Beziehungen („Single right now“), verregnete Geburtstags- und schillernde Liebeslieder („Birthday“, „Trans Femme Bonding“). msb

 

Tami T • Album

Künstler: Tami T
Titel: High Pitched and Moist
Label: Trannytone Records
VÖ: 20.02.2019

Tami T • Listening

Hotlist 2019

Leseempfehlungen

Hayden Thorpe: Hayden Thorpe: Zwei Beerdigungen und kein Todesfall

Haelos: Haelos: Das Prinzip Resthoffnung