Two Door Cinema Club: Does it spark Joy?

Interview Steffen Rüth

Nach einer kleinen Krise hat das Indiepoptrio Two Door Cinema Club für das neue Album „False Alarm“ ordentlich aufgeräumt.

kulturnews: Kevin, hast du viel zu tun so kurz vor der Veröffentlichung eures vierten, erneut von Jacknife Lee produzierten Albums „False Alarm“?

Kevin Baird: Nö, gar nicht. Die Platte ist schon seit geraumer Zeit fertig, und die Tour beginnt erst in einigen Wochen. Also nutze ich gerade die Zeit, um meine Wohnung in Schuss zu bringen. Ich habe das Buch von dieser Aufräumberaterin Marie Kondo gelesen, und seitdem bin ich voll auf diesem Ordnungstrip. Ich stelle fest: Je mehr ich wegschmeiße, desto sauberer fühle ich mich.

kulturnews: Bist du schon zum Wohnzimmer vorgedrungen?

Kevin Baird: Nein, erst ist das Schlafzimmer dran. Heute morgen war die Sockenschublade fällig. Das Problem mit den Einzelsocken ist ja bekannt, die sind als erstes in die Tonne gewandert. Überrascht war ich von den vielen Socken, die auf die eine oder andere Art kaputt sind. Die habe ich sonst immer trotzdem angezogen. Jetzt sind sie alle weg.

 

 

kulturnews: Ihr kennt euch seit der Grundschule im nordirischen Bangor, hattet früh Erfolg mit euren ersten beiden Alben, dann kamen ein Hänger, eine frustriert klingende dritte Platte und eine Tournee, auf der ihr euch wieder angenähert habt. Wo steht die Band jetzt?

Kevin Baird: Wir sitzen wieder fest im Sattel. Über Jahre hatten wir uns schleichend voneinander entfremdet – was wohl normal ist, wenn du erwachsen wirst. Aber irgendwann ist es uns gelungen, die Probleme wirklich anzusprechen und auch auszuräumen. Bei „False Alarm“ haben wir das gemeinsame Musikmachen wieder so genossen wie beim ersten Album. Wir haben uns sehr frei gefühlt.

kulturnews: Kann es sein, dass die 80er-Jahre neue Lieder wie „Satisfaction guaranteed“ musikalisch geprägt haben?

Kevin Baird: In der Tat. Speziell der Synthesizer-Sound von Bands wie den Talking Heads oder The Human League ist sehr attraktiv für uns. Musiker wie David Bowie, Kraftwerk oder Chic hatten damals noch die Chance, wirklich unerforschtes Gebiet zu betreten. Darum beneiden wir die alten Helden ein bisschen.

 

 

kulturnews: Ihr müsst euch stattdessen mit dem Internet herumschlagen. Gleich mehrere Songs handeln vom Fluch des permanenten Online-Seins. So schlimm?

Kevin Baird: Unser Sänger Alex hat Social Media komplett aus seinem Leben verbannt. Er ist ohnehin labil, und es bekam seiner mentalen Gesundheit einfach nicht, sich dort zu bewegen. Ich selbst bin pragmatischer, halte Youtube, Instagram und so aber nur aus, wenn ich mir alle paar Minuten ein Video von Babyhunden angucke.

kulturnews: Was denkst du über Leute, die im Konzert die ganze Zeit mitfilmen?

Kevin Baird: Sie haben mein Mitgefühl. Du verwässerst deine Erlebnisse, wenn du alles immerzu dokumentierst. Genießt doch einfach mal den Moment, Freunde!

False Alarm erscheint am 21. Juni via Pias/Prolifica im Vertrieb von Rough Trade.

 

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