Licht ins Dunkel

Interview Steffen Rüth

Vampire Weekend klingen immer noch skurril, doch neuerdings ist der 35-jährige Ezra Koenig mit sich und dem Leben im Reinen.

kulturnews: Ezra, du hast „Father of the Bride“ euer „Das Leben geht weiter“-Album genannt. Wie ist das gemeint?

Ezra Koenig: Ich habe meine komische Krise überwunden, und die neuen Songs sind daher um einiges weniger von Themen wie Mühsal, Orientierungslosigkeit, Ängsten und Befürchtungen geprägt als speziell unser vorheriges Album „Modern Vampires of the City“.

kulturnews: Was für eine komische Krise denn?

Koenig: Die Endzwanziger waren eine harte Zeit für mich. Wenn deine Jugend nun wirklich vorbei ist, werden die Aufgaben, die dir das Leben stellt, ganz andere. Du hinterfragst deinen Weg, und du machst dich verrückt. Irgendwie habe ich echt zu lange in dieser Quarterlife Crisis festgesteckt, im Grunde handeln unsere ersten drei Alben von der Suche nach dem Platz im Leben, den ständigen Schlachten, der Konkurrenz mit den anderen, den Unsicherheiten und Zumutungen des Erwachsenenlebens.

 

 

kulturnews: Du hast Vampire Weekend gestartet, als du 22 warst. Gleich euer erstes Album war sehr erfolgreich. Gab es in deinem Leben nie Sorglosigkeit?

Koenig: Sorglos war ich zuletzt als kleiner Junge. Ich war auf der Columbia University in New York, einem Elite-College. Und trotzdem dachte ich damals, alle anderen ziehen an mir vorbei, während ich nichts hinbekomme. Ich war am College nie locker, sondern fühlte mich immer unter Druck. Ich verließ die Uni als Englischlehrer und mit mehreren zehntausend Dollar Schulden. Während meine Kumpels bei Goldman Sachs oder Lehman Brothers ähnlich viel Geld nur für das Unterschreiben eines Arbeitsvertrags bekamen.

kulturnews: Lehman Brothers ist vielleicht jetzt kein so gutes Beispiel.

Koenig(lacht): Doch. Denn nach zehn Jahren habe ich endlich meinen Frieden damit geschlossen, dass das Leben ein Auf und Ab ist, dass man nie dauerhaft gut drauf, aber auch nie dauerhaft depressiv ist. Und wenn, dann braucht man wirklich Hilfe. Aber mit dieser Einsicht und Reife bin ich dem neuen Album begegnet. Unbeschwert ist das immer noch nicht, doch das Licht am Ende des Tunnels brannte nach meinem Empfinden noch nie so hell.

 

 

kulturnews: Und deshalb heißen die neuen Lieder zum Beispiel „We belong together“ oder „Sunflower“?

Koenig: Ja, die Grundausrichtung dieser Songs ist positiv. Ich singe über Zuneigung und Sympathie, die Ideen und Einflüsse kommen diesmal wirklich überall her, von afrikanischem Gitarrenfolk bis zu HipHop und japanischem Pop, und die Worte, die ich verwende, sind direkter und lebensnäher. Manche der Songs, etwa „Hold you“, handeln einfach von zwei Menschen. Das reale Leben hat Einzug gehalten bei Vampire Weekend.

kulturnews: Und auch bei dir selbst. Du lebst mit der Schauspielerin und Filmemacherin Rashida Jones, der Tochter von Michael-Jackson-Produzent Quincy Jones, und eurem gut halbjährigen Sohn Isaiah nun in Los Angeles. Eine harte Umstellung?

Koenig: Ging so. Ich hänge sehr an New York, aber wenn deine Liebste und die meisten Leute, mit denen du arbeitest, woanders wohnen, dann zieht es dich halt auch dorthin. Was mich allerdings immer noch fertigmacht, ist das schrecklich grelle Licht in LA. Nachmittags zwischen 13 und 17 Uhr ziehe ich meistens die Vorhänge zu und mache zusammen mit meinem Sohn eine ausgiebige Siesta.

 

 

 

Vampire Weekend • Album

Künstler: Vampire Weekend
Titel: Father of the Bride
Label: Sony Music
VÖ: 03.05.2019

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