Contemporary Music

Wer einmal lügt …

We Are The City sind die derzeit spannendste Indiepopband. Nur bedeutet das eben auch, dass man den Kanadiern niemals trauen darf.

uMagazine: Cayne, ich bin ein bisschen misstrauisch: Beim Interview zu eurer letzten Platte „Above Club“ haben wir darüber gesprochen, dass man den Aufnahmeprozess im Netz live mitverfolgen konnte – und kurze Zeit später habt ihr bekannt gegeben, dass der Stream gefälscht war.

Cayne McKenzie (lacht): Es tut mir so leid, aber ich konnte dir das zu dem Zeitpunkt noch nicht verraten, sonst hätte ich die Aktion verdorben, mit der wir ja auch ein Statement setzen wollten.

uMagazine: Seit zehn Jahren veröffentlicht ihr kein Album ohne Gimmick. Zu „Violent“ habt ihr sogar einen kompletten Spielfilm in einer Sprache gedreht, die ihr gar nicht beherrscht – und der wurde dann auch noch auf diversen Festivals ausgezeichnet. Langweilt ihr euch als Indieband so sehr?

Cayne McKenzie: Es steckt kein ausgeklügelter Plan dahinter, aber natürlich wollen wir die Band auch für uns selbst spannend halten. Uns war schon sehr früh klar, dass wir zu edgy sind, um eine wirklich große Band zu werden. Es ist ein bisschen Trotz dabei, wenn wir dennoch Inszenierungen wählen, die sich sonst nur die Bands rausnehmen, die in Mehrzweckhallen spielen.

uMagazine: Euer aktuelles Album „At Night“ ist aber wirklich nur eine Art Vorspiel für ein weiteres Album namens „RIP“, das im kommenden Frühjahr erscheinen soll?

Cayne McKenzie: Ich schwöre, dass „RIP“ im März oder April erscheinen wird. Das Album ist bereits fertig, es klingt sehr anders als all unsere Sachen zuvor, und es wird nach zehn Jahren We Are The City fast schon eine Art Neustart sein.

uMagazine: Wollt ihr jetzt auch in die Mehrzweckhallen? Sogar auf dem sehr experimentellen Album „At Night“ ist mit „To get it right you have to get it wrong sometimes“ ja wieder ein Stück dabei, das sogar stadiontauglich wäre – wenn ihr es nicht mutwillig torpediert hättet.

Cayne McKenzie: Für uns war bislang immer wichtig, dass wir Songs nicht aufpolieren und der ursprünglichen Inspiration treu bleiben. Dieses Stück ist zufällig entstanden, als ich an einem Soundtrack gearbeitet habe, und die Störgeräusche sind für mich zentraler als die vermeintliche Hookline. Aber wer weiß … Tatsächlich ist die sehr rohe Platte „At Night“ quasi das komplette Gegenstück zu „RIP“, an dem wir extrem lange gearbeitet haben.

uMagazine: Kannst du mir versichern, dass wir auf der Tour schon ein paar Stücke von „RIP“ vorab hören werden?

Cayne McKenzie: Der Testlauf bei den ersten Shows in Kanada war erfolgreich, und ich schwöre, dass wir ein paar Teaser im Programm haben. Trotzdem sollten wir zur Veröffentlichung von „RIP“ unbedingt noch mal sprechen.

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We Are The City • Album

Künstler: We Are The City
Titel: At Night
Label: Sinnbus Records
VÖ: 05.10.2018

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