Gelb ist (k)eine warme Farbe

Dem Leipziger Duo Wooden Peak ist ein herausragendes Album gelungen – indem es einfach mal das Fenster aufgemacht hat.

 

uMagazine: Jonas, Sebastian, gelb ist die Farbe des Sonnenlichts und des Adels, sie gilt als Zeichen des Neids, und politisch hat sie eine extrem unsympathische Zuordnung. Auf all das werdet ihr euch eher nicht beziehen, wenn ihr euer viertes Album „Yellow Walls“ nennt, oder?

Jonas Wolter (lacht): Der Titel bezieht sich auf die 80er- und 90er-Jahre, wo die noch nicht so guten Graffiti-Sprayer auf Hinterhofwänden geübt haben. Die „Yellow Walls“ waren quasi die Bildwände, wo man ausprobieren und sich einen Namen machen konnte. Daran reizte uns natürlich auch das Bild, dass da Grenzen verwischt werden.

Sebastian Bode: Jemand, der diese Graffiti-Geschichte nicht kannte, hat uns vor kurzem auch über den dunklen Fleck auf dem Cover identifiziert. Demnach wären wir mit unserem Stil, den wir jetzt seit zehn Jahren so DIY-mäßig fahren, in der Ecke platziert: Wo bleibt der große Durchbruch? Wenn man das so interpretiert, dann würde ich die „Yellow Walls“ in Bezug zu dem konzeptionellen Neuanfang sehen, den wir mit jeden Album machen. Man muss sich jedes Mal aus dem eigenen Anspruch heraus an ihnen hocharbeiten.

uMagazine: Wenn ihr Kraut, Postrock, Jazz und dezente Elektronik miteinander verbindet, heißt es gerne, ihr würdet immer kurz vorm Pop stoppen.

Jonas Wolter: In unserer Wahrnehmung machen wir schon Popmusik. Das ist ja auch ein großer, weiter Begriff. Die Strukturen sind schon gut fassbar – nur vielleicht eben nicht so klassisch, wie man das im Radio erwartet.

uMagazine: Songs wie „Wednesday“ oder „Stitch“ kreieren eigene Welten, und ihr erzielt mit wenigen Mitteln eine große Vehemenz. Doch der musikalischen Verlässlichkeit schiebt ihr mit den Texten gern eine Irritation oder gar Bedrohung unter.

Sebastian Bode: Tatsächlich sind wir bei dieser Platte von experimentellen Sounds ausgegangen, um die herum wir die Stücke geschrieben haben. Wenn Loops durchlaufen und Texturen sich überlagern, kann man den Gesang sehr gut darauf betten. Wir wollten einen stärker erzählerischen Ansatz, und wir wollten auch konkreter werden als in der Vergangenheit.

Jonas Wolter: Selbst wenn die Szenarien bedrohlich sind, gibt es doch immer wieder Hinweise, dass man noch etwas ändern kann. Wir wollten auf keinen Fall mit erhobenem Zeigerfinger texten, sondern einfach gewisse Dinge einfangen, die da draußen gerade so unkontrolliert passieren. Wenn es uns schon gut geht und wir unsere Musik machen können – warum soll man dann nicht mal das Fenster aufmachen? Am Ende geht es ja nur darum, sich mal drei oder vier Minuten auf eine ganz bestimmte Stimmung einzulassen.

Wooden Peak • Album

Künstler: Wooden Peak
Titel: Yellow Walls
Label: Kick the Flame
VÖ: 18.01.2019

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