Girl with Basket of Fruit

Sabotage an der Struktur

Dem Albumtitel, der Assoziationen zu romantischen Gemälden hervorruft, zum Trotz: Nachdem es seinen dekonstruktivistischen Artrock bis zur letzten Platte „Forget“ immer mehr der Grenze zum Pop annäherte, ist „Girl with Basket of Fruit“, das elfte Album des Experimentalkollektivs Xiu Xiu um den manischen Jamie Stewart, wieder extrem harter Tobak – selbst für eine Band, deren Singlehits auf Namen wie „Dear God, I hate myself“ hören. Sabotierten Stewart und seine wechselnden Mitstreiter*innen die Ansätze von Struktur und, ja, Schönheit bisher verlässlich mit atonalen Lärmausbrüchen, regiert diesmal ausschließlich das Chaos. Und selbst mit dem im amerikanischen Onlinemagazin Talkhouse erschienen Guide, in dem Stewart und Angela Seo ihre Inspirationsquellen aus Kunst und Literatur offenlegen, ist „Girl with Basket of Fruit“ kaum zu greifen. Das ist Entfremdung im Endstadium: Die Verstörungen der Welt prasseln als Assoziationssturm voll kruder, surrealer Sprachbilder auf uns ein, musikalisch folgerichtig eine Mischung aus Tourette, Avantgarde-Klassik, mehrmals durch den Häcksler gejagtem Industrial, Exorzismus, okkulten Ritualen und brutalen Noise-Exkursionen. Bei „Girl with Basket of Fruit“ sollte sich wieder ein bisschen Sorgen machen, wer hier eine persönliche Identifikationsebene entdeckt. Aber die Grenzerfahrung ist es wert. msb

Xiu Xiu • Album

Künstler: Xiu Xiu
Titel: Girl with Basket of Fruit
Label: Altin Village & Mine
VÖ: 08.02.2019

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