Daughters: Jetzt auf Tour

Nach acht Jahren kommen die Noise-Rocker Daughters endlich wieder für Konzerte nach Deutschland.

Die Luft kann schon mal etwas dünner werden, wenn Daughters mit ihren noise-getränkten Gitarrenparts und brachial zelebrierten Schlagzeugsalven die Bühne betreten. Bei der Europatour in diesem Monat ist Ekstase vorprogrammiert, denn die Band weiß, wie man Spannung aufbaut – und das nicht nur musikalisch.

Ganze 17 Jahre zählen Daughters seit ihrer Gründung im Jahr 2002. Nach drei veröffentlichten Alben wurde es im Jahr 2010 allerdings erst mal still um die sonst so lautstarken Noise-Partisanen. Während der Aufnahmen des selbstbetitelten Albums „Daughters“  führte ein Streit zwischen Sänger Alexis Marshall und Gitarrist Nick Sadler zur vorübergehenden Auflösung. Erst 2013 ließen einigen lokale Shows der Band in ihrer Heimatstadt Providence in Rhode Island die Hoffnung auf eine mögliche Reunion neu aufkeimen.

Dann erschien 2018 das erste Album nach acht Jahren. Mit „You won’t get what you want“ stießen Daughters nicht nur bei ihren Fans auf positives Feedback, sondern fanden sich auch in den  Jahresbestenlisten zahlreicher Musikmagazine wieder.

In der Tat zeigen sich die Noise-Rocker auf dem Album von einer bisher selten gehörten Seite. Wer mit der Band zuletzt über das Album „Daughters“ in Berührung kam, sollte sich über Neuerungen nicht wundern. In dem zuletzt als Single veröffentlichen Song „Less Sex“ weichen bretternde Gitarrenriffs berauschenden Noise-Passagen, die so klingen als hätte man einzelne Akkorde aus Sonic-Youth-Songs geschnitten und auf die zehnfache Länge ausgedehnt. Verfeinert wird das Ganze durch die sonore Stimme von Alexis Marshall, die selten so ruhig und besonnen klang wie hier. Der sechsminütige „City Song“ hingegen beginnt so pulsierend, dass man meinen könnte, Bass und Drums seien einem Trance-Track entnommen. Hier werden Stasis und Wiederholung so sehr zum Träger von Spannung und Nervosität, dass die finale Rausch-Explosion in den letzten Minuten des Songs wie eine kleine Erlösung wirkt.

Noise ist das tragende Element dieses Albums, mit welchen Farben auch immer es angereichert wird. In dieser Hinsicht ist „You won’t get what you want“ eines der kompromisslosesten Alben der Band bisher. Wenn Daughters jetzt auf Tour gehen, darf man gespannt sein, wie die neuen Songs in Clubatmosphäre funktionieren. Dass es etwas enger werden könnte und der ein oder andere ins Schwitzen gerät, daran sollte kein Zweifel bestehen.

Termine und Tickets

Leseempfehlungen

The Drums: The Drums: Brutalism

ULF: Videopremiere: "Bei den Alten" von ULF