Der Kindergarten-Coup

Als Sänger der Kieler Hardcoreband Smoke Blow wurde Erik Cohen bekannt. Doch die Arbeit an seinen Soloalben wird vor allem durch seinen Job als Erzieher geprägt.

Als Sänger der Kieler Hardcoreband Smoke Blow wurde Erik Cohen bekannt, am 26. 1. erscheint sein drittes Soloalbum „III“.

uMagazine: Erik, du hast im echten Leben einen Vollzeitjob als Erzieher und vier eigene Kinder. Wie kriegt man das mit der Musikkarriere unter einen Hut?

Erik Cohen: Demnächst sind es sogar fünf Kinder. Das ist natürlich anstrengend, denn ich werde ja nicht jünger. Wenn die Kinder im Bett liegen, ist es meistens 21 Uhr. Dann setze ich mich zweimal die Woche auf mein Rad, fahre durch den Regen und gehe ins Studio. Das ist zwar hart, aber für mich ist es vor allem eine Art von Entspannung, die ich als Ausgleich brauche.

uMagazine: Ist es von Vorteil, wenn man Musik nicht macht, um seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, sondern weil man Freude daran hat?

Erik Cohen: Für die Musik ist es auf jeden Fall gut, schließlich habe ich keinerlei Druck. Ich will gar nicht hauptberuflich Musiker sein und bin sehr glücklich mit meinem Beruf, bei dem ich mein eigener Herr bin: Ich leite meinen privaten Kindergarten, für den ich auch das pädagogische Programm ausgearbeitet habe. Wir gehen viel raus und sind oft im Wald. Damit bin ich glücklich, und der Job ermöglicht mir zudem, in der Musik nur das zu tun, worauf ich gerade Bock habe.

uMagazine: Dein drittes Album „III“ ist insgesamt etwas reduzierter: keine Tasteninstrumente, dafür steht die Gitarre im Vordergrund.

Erik Cohen: Meine ersten beiden Soloplatten waren sehr opulent und stadionkompatibel, ich habe viel arrangiert und die Songs groß ausgearbeitet. Von diesem Entwurf brauchte ich eine Pause. Ich hatte einfach Bock auf eine Gute-Laune-Rockplatte. Außerdem ist meine Band durch die vielen Shows sehr zusammengewachsen. Wenn ich schon gute Musiker habe, die ihr Handwerk verstehen – warum soll ich die dann nicht einfach mal spielen lassen?

uMagazine: Die Einflüsse sind trotzdem breit gefächert. Gilt das auch für dein privates Plattenregal?

Cohen: Mein Plattenregal ist tatsächlich ziemlich bunt: An einem Tag höre ich Rockmusik, am nächsten dann HipHop oder Dreampop, und wieder einen Tag später lande ich bei Wavepop aus den 80ern. Das hat natürlich einen Einfluss auf meine Musik. Im Sommer habe ich beispielsweise „Back in Black“ von AC/DC wieder rausgekramt, und danach entstand der Song „Fährwolf“.

uMagazine: „Hart am Overkill“ hingegen ist eine Hommage an Motörhead, oder?

Erik Cohen: Der Song entstand kurz nachdem Lemmy gestorben ist. Mir ging es damals wie vielen anderen Rockfans auch: Ich habe in mein Kissen geweint und war echt traurig. Ich habe den Typen geliebt. „Overkill“ und „Killed By Death“ sind meine Lieblingssongs von Motörhead, und daraus habe ich „Hart am Overkill“ gebastelt. Ich stehe dazu: Ich bin ein Musikfan, der selbst Musik macht.

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