Contemporary Music

Das waren die fünf spannendsten Neuentdeckungen beim Le Guess Who? 2018

Das Festival in Utrecht schickt nicht nur Lieblingskünstler wie Neneh Cherry, Devendra Banhart, Jessica Pratt und serpentwithfeet auf die Bühne, sondern präsentiert auch Newcomer, von denen man in den nächsten Monaten hoffentlich noch sehr viel mehr hören wird.

 

Foto: Jelmer de Haas

Black Midi

Bei Spotify findet man sie nicht, ihr Facebookaccount informiert nur über Konzerttermine, und auf YouTube sind lediglich verwackelte Livemitschnitte im Angebot: Black Midi verfolgen einen altmodischen Karriereplan und spielen lieber Gigs statt ihre Internetpräsenz zu pflegen. Trotzdem wirbelt das Quartett aus Südlondon reichlich Staub auf, und ihre Freunde von Shame bezeichnen die vier bestenfalls gerade volljährigen Jungs als derzeit besten Liveact der britischen Hauptstadt. Nach Auftritten beim Reeperbahn Festival und dem Iceland Airwaves wird auch ihr Set beim Le Guess Who? dem Hype gerecht: Die dynamischen und hochkomplexen Songs zwischen Postpunk, Math- und Indierock definieren einen ganz und gar eigenen Sound, und eine Tendenz zum Muckertum machen sie mit ihrer Jugend wett. Dürfte aber eine Herausforderung werden, ihren Livesound im Studio zu reproduzieren.

 

Foto: Erik Luyten www.erikluyten.nl erik@erikluyten.nl

Sasami

Sasami Ashworth kennt man als Keyboarderin der Band Cherry Glazerr, mit der sie zuletzt zweieinhalb Jahre durch die Welt getourt ist. Jetzt aber will sie sich auf ihre eigene Musik konzentrieren und hat bei Domino Records einen Vertrag unterschrieben, wo auch bereits die beiden Songs „Callous“ und „Not the Time“ erschienen sind. Mit Band im Rücken präsentiert die Musikerin und Produzentin aus L.A. im Ekko ein Set, das zwischen intimen Singer/Songwriter-Momenten, Grunge und krachigem Noiserock pendelt. Ganz sicher wird da 2019 ein Debütalbum kommen, und ziemlich sicher wird es verdammt gut werden.

 

Foto: Jelmer de Haas

JPEGMAFIA

Als experimenteller Rap-Artist wird er derzeit in einem Atemzug mit Denzel Curry, Injurie Reserve, Slowthai und Zillerkami genannt. Der 28-jährige Rapper mit Wohnsitz in Baltimore geht HipHop etwas anders an, disst große Artists wie Drake und A$AP Rocky, und auf seinem aktuellen Album „Veteran“ teilt er auch ordentlich in Richtung Alt-Right und Medien aus. Sein Auftritt im Utrechter Tivoli besticht mit Punkattitüde und unfassbarer Energie: Immer wieder geht er ins Publikum, und der Hit „I cannot fucking wait until Morrissey dies“ fehlt in der Setlist natürlich nicht.

 

Foto: Jelmer de Haas

Crack Cloud

Für das Multimediakollektiv musste man raus aus Utrechts Zentrum, denn Crack Cloud spielten in einem alternativen Studiokomplex namens DBs. Das passte ziemlich gut, denn die sieben Kanadier spielen Postpunk, der an The Clash und Gang Of Four erinnert, integrieren ein Saxofon und orientieren sich bei Ästhetik und Haltungsfragen auch an HipHop und Malcolm X. Zach Chor und Mohammad Ali Sharar, die beiden Köpfe von Crack Cloud, lernten sich über ihr Engagement für Drogenabhängige in Vancouver kennen. In safe places schaffen sie einen Raum für einen ehrlichen, nicht stigmatisierten Austausch über Sucht und psychische Erkrankungen.

 

Foto: Tim van Veen

Tirzah

Eine wirkliche Newcomerin ist Tirza natürlich nicht mehr, zählte ihr Debütalbum doch zu den spannendsten Veröffentlichungen 2018. „Während sich ihre Single ,Make it up‘ noch aus dem Beat heraus entwickelte, sind die Songs ihres Debütalbums minimalistische, R’n’B-beeinflusste Popskelette, die klingen, als würden sie sich weigern, Clubmusik zu werden“, schwärmte bereits Michael S. Bendix an dieser Stelle von „Devotion“, das Tirzah nach langjähriger Zusammenarbeit mit ihrer Schulfreundin Mica Levi alias Micachu eingespielt hat. Doch bei aller Euphorie über ihre zwischen Minimalismus und großen Pop-Momenten pendelnden Songs – es war nicht unbedingt zu erwarten, dass sich Tirzah als so großartiger Liveact entpuppt und „Devotion“ auf der Bühne perfekt funktioniert.

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