Ökofashion von Wunderwerk: Fine young Radicals

Öko oder Nichtöko? Tim Brückmann vom Düsseldorfer Eco-Modelabel Wunderwerk kennt die Antwort, Punkt, aus.

Das Interview:


uMag: Herr Brückmann, wie bringen Sie die Konsumenten dazu, zukünftig lieber ein teureres Hemd zu kaufen anstatt drei billige?
Tim Brückmann: Insgesamt wird Wunderwerk ein sehr kommerzielles Preisniveau nachgesagt, ohne dieses könnten wir ja auch nicht mit den konventionellen Boutiquen arbeiten. Generell entscheiden die Kunden heutzutage ganz von alleine, dass sie nicht in Fast-Fashion-Läden einkaufen wollen und es bevorzugen, individuell und qualitativ hochwertiger einzukaufen. Im direkten Vergleich zu einigen bekannteren Fashion-Marken sind wir immer noch günstiger, weil diese Firmen zusätzlich noch einen riesigen Markenaufschlag haben. Gegen solche Labels gewinnen wir also, weil wir trotz besserer Qualität günstiger sind.

uMag: Das heißt, Fast-Fashion-Konzerne sind die Bösen, und ihr seid die Guten?
Brückmann: Wenn man es auf die Giftstoffe in Textilien bezieht und auf den Umgang mit den Menschen, die diese Textilien herstellen, dann kann man das mit einem klaren Ja beantworten. Man kann sicherlich keine Öko-Mode im Discounter machen, das haut einfach nicht hin. Selbst einige Fast-Fashion-Labels haben mittlerweile Öko-Kollektionen: Für mich ist das Greenwashing* und eher Marketing als wirklicher Wille, die Produktionen umwelt- und menschenfreundlicher zu gestalten.

uMag: Sind solche Fast-Fashion-Öko-Kollektionen dann überhaupt ernstzunehmen?
Brückmann: Das ist völlig unglaubwürdig, wenn die irgendwas mit Öko angehen – und beim Blick auf den Preis sollte das jedem Endverbraucher einleuchten.

uMag: Wenn man Sie fragt, ob man in diesen Läden Eco-Fashion kaufen kann: Was antworten Sie?
Brückmann: Ein ganz klares Nein. Für uns gehen auch Öko und Fairtrade Hand in Hand. Es gibt kein Öko-Produkt, das unfair hergestellt wird. Wir werden beispielsweise oft von der Fairtrade Foundation angesprochen, warum wir denn kein Mitglied bei ihnen werden wollen. Die Antwort ist: weil sogar Discounter-Labels Mitglied bei der Fairtrade Foundation sind, womit völlig unglaubwürdig wird, wofür der Verband eigentlich steht. Man kann nicht fair produzieren, eine Jeans für nur zehn Euro anbieten und dann auch noch Gewinn machen. Generell ist es gut, dass es solche Organisationen gibt, aber manchmal frage ich mich auch, ob sie nicht doch für die Konzerne geschaffen wurden, um Greenwashing zu betreiben.

uMag: Dabei waren Sie doch selbst früher Vertriebsleiter eines italienischen Fashion-Konzerns …
Brückmann: Damals war ich einfach noch nicht so weit mit meinem Öko-Gedanken und wusste auch gar nicht, dass Öko-Textilien überhaupt existieren. Das ist erst nach und nach bei mir entstanden.

uMag: Welchen Stellenwert hat Moral in der Modeindustrie?
Brückmann: Das ist eine sehr polarisierende Frage. Ich würde sagen: gar keinen. Es geht um Gewinnmaximierung, Feierabend! Es gibt genug Dokumentationen, die zeigen, mit welchen Standards beziehungsweise Nicht-Standards viele Firmen produzieren. Denen ist das alles scheißegal!

uMag: Mit Ihrer Offenheit ziehen Sie sich vermutlich schnell den Zorn der Fast-Fashion-Produzenten auf sich …
Brückmann: Das ist mir völlig egal! Unsere Mitbewerber drücken sich vielleicht nicht ganz so radikal aus wie ich, aber trotzdem hoffe ich, dass sie das gleiche denken. Klar haben Billiganbieter auch ihre Berechtigung, es gibt nunmal Leute, die ganz wenig Geld haben. Man darf das nicht verurteilen, aber man muss es zumindest beleuchten, und generell beziehe ich bei diesem Thema immer ganz klare Positionen.

uMag: Sie führen einen offensiven Krieg gegen Plastik und gegen Großunternehmen, die nicht nachhaltig produzieren.
Brückmann: Wir führen keine Kriege, wir lehnen Plastik als schwer umweltschädliches Material ab – und dies in allen Varianten. Das geht über unsere Kollektionen hinaus, so findet Ihr bei uns im Unternehmen zum Beispiel keine Trinkflaschen aus Plastik. Auch recyceltes Plastik lehnen wir generell ab, da die Historie des recycelten Plastiks ja nicht darstellbar ist. Ich möchte kein T-Shirt auf der Haut haben, das mal eine Autobatterie oder so ähnlich war.

* PR-Methode, die Unternehmen umweltfreundlicher darstellt, als sie sind


Checkbrief

LABEL Wunderwerk
SITZ Düsseldorf
GRÜNDUNG 2012
GRÜNDER Tim Brückmann, Heiko Wunder
BEREICH Eco-Fashionlabel, Prêt-à-Eco-porter
WOLLEN als „Lovemark“ eine emotionale Bindung zum Kunden aufbauen
AUSGEZEICHNUNGEN Bundespreis Ecodesign 2014

www.wunderwerk.com

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