Contemporary Music

Christina Lux: langsam rangerobbt

Seit Jahren ist ihr poetischer Akustikpop eine feste Größe in der Songwriterszene. Jetzt veröffentlicht Christina Lux mit „Leise Bilder“ ihr erstes deutschsprachiges Album – und findet besonders klare Worte.

Verena Reygers: Christina, von deinem neuen Album heißt es, du hast einen Freiflug gewagt. Das bedeutet?

Christina Lux: Mit ist es immer schon wichtig gewesen, mich frei zu machen von dem, was die Musikindustrie verlangt. Es muss einen Freiflug für mich als Künstlerin geben. Musik ist für mich keine Bedürfniserfüllung dessen, was vielleicht gerade angesagt ist. Stattdessen sage ich: Mach das, was dich treibt, mach es mit ganzer Hingabe, und dann flieg los. Du kannst ohnehin nicht planen, wo genau du landest.

Verena Reygers: Mit „Leise Bilder“ bist du bei einem deutschsprachigen Album gelandet. Wie hast du das coole Englisch gegen unpeinliches Deutsch tauschen können?

Christina Lux: Ja, das Englische hat schnell diesen Vibe, in dem selbst der banalste Satz erst mal cool klingt. Da muss man ehrlich sein. Ich habe 2006 den ersten deutschen Titel auf einem Album gehabt, den ich spontan simultan übersetzt hatte. Der hat sich so gut angefühlt, dass ich mich dann mehr und mehr an deutsche Texte heran gerobbt und in den Songs auch gemischt habe. Irgendwann kamen keine englischen Sätze mehr, und inzwischen fühle ich mich sehr zuhause damit.

Verena Reygers: Unterscheiden sich deine neuen Songs durch die Sprache von den alten?

Christina Lux: Ja, ich finde da eine noch größere Klarheit; die Poesie, die ich in auch in meiner Sprache habe, kommt mehr zum Vorschein. Das Englische war wie ein Schutzraum. Ich hab schwierige oder bittere Themen gut verpacken können, ohne mich gleich bloß zu fühlen. Auf Deutsch wird es unmittelbar, und das ist inzwischen gut so für mich.

 

Verena Reygers: Klare Worte hat auch der Song „Reise“, der dazu einlädt, Menschen nicht nach Hautfarbe, Religion oder Herkunft zu verurteilen.

Christina Lux: Ja, ich finde die Zeiten sehr bedenklich gerade; mit Bewegungen, von denen ich dachte, die hätten wir längst hinter uns. Ich glaube, je mehr sich Fremdenfeindlichkeit und Empathielosigkeit, gepaart mit diesem seltsamen Nationalstolz, ausbreiten, desto mehr verlieren wir unsere Freiheit. Deshalb möchte ich auf eine Reise einladen, die es Leuten ermöglicht, die Welt anders zu betrachten. Das geht nur durch die Begegnung. Ich bin politisch schlicht deshalb, weil ich Mensch bin und Freiheit mir ein unfassbar hohes Gut ist. Ob ich mit meiner Musik etwas ändern kann, weiß ich nicht, aber schweigen geht gar nicht. Dann lieber leuchten.

 

Christina Lux „Leise Bilder“ ist bei India Records erschienen.

Christina Lux ist auf Tour, Karten gibt es z. B. bei Reservix oder Eventim.

13. 4. Kelkheim, 20. 4. Gummersbach, 21. 4. Dortmund, 24. 4. Hamburg, 26. 4. Aachen, 27. 4. Mühlheim, 6. 5. Pforzheim, 24. 5. Köln, 8. 6. Offenburg, 9. 6. München, 29.6. Bechtolsheim

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