Contemporary Music

Gianna Nanninis gigantische Liebe

Genervt reagieren, wenn die Leute immer wieder diesen einen Hit hören wollen? Nicht bei Gianna Nannini! Die findet sich nämlich eigentlich erst jetzt so richtig gut auf der Bühne.

Verena Reygers: Gianna, dein aktuelles Album heißt „Amore Gigante“ – auf welche gigantische Liebe spielst du mit diesem Titel an?

Gianna Nannini: Mit Amore Gigante meine ich die Haltung, die wir der Welt gegenüber einnehmen sollten. Die Welt gehört allen Menschen, egal welcher Hautfarbe, Alter, Geschlecht oder politischer Gesinnung. Wenn es um Konflikte und Unterschiede gibt, nutze diese Amore Gigante, sei großzügig. Wenn du vergeben kann, bist du frei.

Verena Reygers: Wo du von Unterschieden sprichst – musikalisch zeigst du dich auf „Amore Gigante“ von verschiedenen Seiten – rockig, aber auch romantisch.

Gianna Nannini: Meinem Produzenten Michele und mir war es wichtig, meine Stimme in den Mittelpunkt zu stellen und den Sound daran auszurichten. Entsprechend bildet die Musik auf dieser Platte die ganze Bandbreite meiner Persönlichkeit ab. Kräftige Drums für mehr Rock, Streicher für mehr Emotionen …

Verena Reygers: Bei deiner letzten Tournee waren die Streicher auch auf der Bühne sehr präsent.

Gianna Nannini: Ja, aber dieses Mal werde ich ohne unterwegs sein. Für das Album ist der klassisch inspirierte Sound sehr wichtig gewesen, live werden wir es aber anders umsetzen.

Verena Reygers: Du stehst seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne. Fühlt sich ein Konzert heute noch genauso für dich an, wie früher?

Gianna Nannini: Ich weiß nicht warum, aber nach so vielen Jahren habe ich eine viel bessere Vision von meiner Musik und habe mehr mehr Power. Das hängt auch mit meiner Stimme zusammen und natürlich mit der Interaktion mit dem Publikum. Ich kann heute viel besser meine Emotionen fühlen und mit dem Publikum teilen als früher.

Verena Reygers: Man kann es sehen – bei deinen Konzerten steht dein Publikum Kopf.

Gianna Nannini: (lacht) Das ist immer wieder faszinierend; egal wo du bist – und jedes Land, jede Stadt ist anders: Manchmal braucht es ein bisschen, bis der Siedepunkt erreicht ist, aber am Ende hält es niemanden mehr auf den Plätzen. Das ist großartig.

Verena Reygers: Nervt es dich nicht, Songs wie „Latin Lover“ oder „Bello e impossible“ wieder und wieder zu singen?

Gianna Nannini: Im Gegenteil. Es ist mir eine Ehre. Es erinnert mich an den Moment, in dem ich diese Songs geschrieben habe, an die Magie beim Schreiben. Diese Magie ist es auch, die mich auf die Bühne treibt.

 

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