Jade Jackson: Der Durchbruch kommt nach dem Fall

Mit ihrem Countryrock ist Jade Jackson auf Erfolgskurs. Doch der Weg dahin war für die Kalifornierin nicht leicht.

Kann man ja eigentlich nicht mehr hören, wenn Künstler*innen die abgedroschene Floskel vom Songschreiben als erfolgreiche Form der Selbsttherapie bemühen. Aber im Fall der 27 Jahre alten Jade Jackson und ihrem zweiten, sehr betörenden Album zwischen Countrypop, Rock und Folk geht es einfach nicht anders. „Auch in meinen dunkelsten Stunden habe ich immer geschrieben. Das hat mir Erleichterung und Trost gespendet,“ berichtet Jackson über die Entstehungsgeschichte von „Wilderness“. Lust, ihre während einer schlimmen Phase zwischen 21 und 24 verfassten Songs mit irgend jemandem zu teilen, hatte sie allerdings lange nicht – und das, obwohl Jade schon mit 13 angefangen hatte, kleine Konzerte zu spielen. „Ich mochte mich damals selbst nicht. Also war ich mir sicher, dass auch niemand meine Lieder mögen würde.“ Sie hat sich gewaltig geirrt, denn der Zuspruch für Jackson und ihre sehr persönlichen Songs wächst stetig.

Jade Jackson hat fürwahr einiges an Scheiß durchmachen müssen: Mit 20 ist die begeisterte Wanderin fünf Meter tief gestürzt und auf einen Felsen geknallt. Die Wirbelsäule war ziemlich im Eimer, und als sie bemerkt hat, dass sie nach den von den Ärzten verordneten Schmerzmitteln süchtig wurde, hat sie die Pillen im Klo runtergespült. Was eine schlechte Idee gewesen ist. „Von den Entzugserscheinungen bekam ich Panikanfälle. Ich wurde depressiv und habe unter Essstörungen gelitten.“ Ihre Zeit an der Uni habe sie wie durch einen Schleier erlebt. „Ich war isoliert, habe keine Jungs mehr getroffen und mit niemandem über meine Qualen gesprochen.“ Doch eine Psychotherapie und das langsame Heilen ihres Körpers helfen Jackson, wieder Tritt zu finden und auch weitere Traumata zu verarbeiten. So geht es etwa in dem Song „Secret“ um den Tod ihrer Highschool-Liebe, der vor einem Jahr an einer Überdosis gestorben ist. „Man konnte ihm regelrecht dabei zusehen, wie er immer mehr abgeglitten ist. Ich dachte damals, ich müsste ihm helfen, aber ich konnte nicht.“

Seit nunmehr vier Jahren ist sie fast ununterbrochen auf Tour. Jackson ist dankbar, dass sie in Mike Ness von der Band Social Distortion einen Mentor gefunden hat, der sie nicht nur immer wieder ermutigt, an die eigene Musik zu glauben, sondern sowohl das erste Album „Gilded“ (2017) wie jetzt auch „Wilderness“ produziert hat. „Mikes Frau und meine Mutter waren von der siebten Klasse an Schulfreundinnen“, erzählt Jackson, die in dem zwischen San Francisco und Los Angeles gelegenen Ort Santa Margarita lebt. Da die Musik ihr noch kein sicheres Auskommen beschert, kellnert sie oft im elterlichen Steak-Restaurant „The Range“, und bisweilen tritt sie dort auch auf. „Voll ist der Laden eigentlich immer“, sagt sie grinsend. „Kürzlich aber mussten wir vor meinem Auftritt die Tische stapeln, damit alle reingepasst haben.“

„Wilderness“ erscheint am Freitag. Das Album könnt ihr hier auf Amazon vorbestellen.

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