Contemporary Music

Manic Street Preachers: Die Letzten ihrer Art

In den besten Jahren sind sie längst. Dass die Manic Street Preachers so frisch wie lange nicht mehr klingen, liegt wohl auch an den Geheimnissen japanischer Kampfkunst.

Auf dem neuen Album der Manic Street Preachers – es ist das sage und schreibe das 13.! – prangt ein altes Foto des letzten Samurai. Die Schwertkampfkunst des Kriegers ist nicht mehr gefragt, seit die Schusswaffe erfunden wurde, aus seinem Blick spricht die angemessene Verzweiflung darüber, nun überflüssig zu sein. Kann sich James Dean Bradfield, der Sänger der Manic Street Preachers, mit dem japanischen Relikt identifizieren? „Ein bisschen, aber nicht völlig. Wir haben 1985 unseren ersten Song zusammen geschrieben, 33 Jahre später ist nichts mehr so wie damals, außer dem Livespielen.“ Bei James Dean Bradfield (48) muss man immer ein wenig aufpassen, denn er redet sich leicht in Rage. „Uns ging es damals wirklich um die Musik. Heute wollen die Künstler gleich mit einem berühmten Songwriter-Team arbeiten und als nächstes ein Lied in der Werbung platzieren. Wir sind wirklich Dinosaurier.“

 

Gentrifizierung hat sie aus ihrem Studio verdrängt

 

Die Waliser, die alle nach wie vor in Cardiff ansässig sind und dort mit ihrem Studio an den Stadtrand verdrängt wurden, weil ein Investor im alten Studio Luxuswohnungen bauen wollte, stemmen sich mehr als wacker gegen die Ausrottung. Kraftstrotzend und energisch klingen Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore auf „Resistance is futile“, das jeweils knappe halbe Jahrhundert hört man den Männern in keinem Moment an. Wüsste man es nicht besser, käme man kaum auf die Idee, dass zwischen rasanten neuen Hymnen wie „International blue“ oder dem hoffnungsvoll-lebensbejahend swingenden „People give in“ und alten Hits à la „If you tolerate this“ oder „Motorcycle Emptiness“ locker zwanzig Jahre liegen. „Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass wir unendlich weitermachen“, gibt James Dean Bradfield zu bedenken, „trotzdem war uns von Anfang an klar, wie kostbar diese Band ist. Wir haben eine besondere Chemie: Die Leute hören uns sogar zu, wenn sie uns eigentlich blöd finden.“

 

 

Freilich werden die Lücken zwischen den Alben eher länger. Bradfield gesteht ein, dass er schon auch gern Zeit mit der Frau, den Kindern und dem Hund verbringt, außerdem befasst sich der deutlich links der Mitte positionierte Sänger exzessiv mit Politik – und driftet im Gespräch auch immer mal wieder ins arg Dozierende ab. Doch der Ehrgeiz ist ungebrochen. „Wir wollen so viele Leute erreichen wie wir können“, sagt Bradfield, „und so leben wir auf diesem Album unsere traditionelle Besessenheit gegenüber prägnanten Melodien besonders schonungslos aus.“ Ein Samurai gibt sich nicht so schnell geschlagen.

 

Manic Street Preachers „Resistance is futile“ erscheint bei Sony Music.

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