Contemporary Music

Von Hoffnung und Hunger

Der schüchtern-traurige Blick ist natürlich Blödsinn … es gibt grad kaum ein stärkeres Album als das gerade erschienene „High as Hope“ von Florence + The Machine.

In Sachen Körpersprache eine Sechs. „Ich bin ein schüchternes Mädchen, das die Arme schützend vor sich verschränkt“, suggeriert Florence Welch auf dem Cover des vierten Florence-+-The-Machine-Albums „High as Hope“. Mit dem altmodischen rosafarbenen Kleid, ihrem roten Haarschopf und der welkenden Wiesenblume in der Hand könnte sie auch aus einem Gemälde des 19. Jahrhunderts stammen – wäre da nicht der lauernde, abgezehrte Blick unter dem Pony. Denn statt einem präraffaelitischen Maler Modell zu stehen, hat die Britin mehr als sechs Millionen Alben verkauft, regelmäßig die Spitze der Charts gestürmt und war acht Mal für den Grammy nominiert. Und was die Körpersprache betrifft: Live ist die 31-Jährige ein mitreißendes Energiebündel. Das hat auch Mick Jagger schon mehrfach zu spüren bekommen, wenn die Musikerin den Rolling-Stones-Frontmann bei gemeinsamen Auftritten auf der Bühne locker an die Wand drängt. Welchs einzigartige Mischung aus ergreifenden Balladen und großen Popnummern wird auch „High As Hope“ zu einem Erfolgsalbum machen – schon allein deshalb, weil die Musikerin diese Platte zwar in einem emotional stabileren Zustand als zuvor produziert hat, sich gleichzeitig aber entblößt wie noch nie: In „Hunger“ zum Beispiel thematisiert sie ihre Essstörung als Teenager. In den Kategorien Mut und Pop gibt es deshalb eine Eins.

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