Contemporary Music

Gut Ding hat Weile

Albert Af Ekenstams cineastischer Kammerfolk ist eine Wohltat in stressigen Zeiten. Nicht zuletzt für ihn selbst.

Albert Af Ekenstam ist nicht der Typ für Abkürzungen. Nicht nur, weil sein Name sich über drei Wörter erstreckt – auch seine Songs bewegen sich betont langsam voran, halten inne und verweilen auf Umwegen. Der hochgewachsene, dunkelhaarige Schwede ist ohnehin ein zurückhaltender Mensch, der sich auch im Interview am liebsten hinter seiner Gitarre verstecken würde. Genau dieses Instrument ist ein Zufluchtsort gewesen, als er mit elf Jahren seine Mutter verloren hat. „Ich habe jahrelang in diversen Bands Gitarre gespielt“, erzählt Ekenstam und verweist auf eine dunkle Phase mit 27, die ihn zum Gesang geführt hat: „Ich hatte damals eine starke Depression und wollte wieder in Kontakt mit der Musik zu kommen – aber nur an der Gitarre hat das nicht funktioniert. Also habe ich angefangen, meine Stimme zu benutzen.“

Glück im Unglück, denn Ekenstams tiefes Timbre verleiht seinem sparsam instrumentierten Folk den individuellen Charakter. Auch die neue EP des mittlerweile 33-Jährigen ist von einer Depression getränkt. Die Trennung von seiner Freundin hat den Musiker Zuflucht bei Freuden in der schwedischen Provinz suchen lassen. In Dalarna entstanden die vier Songs für „Hundred Miles“, von denen einzig „Our Stories“ der Lethargie zu entfliehen schafft – auch, weil Ane Brun den weiblichen Gesangspart übernommen hat und mit ihrer hohen Stimme einen dynamischen Kontrast bildet. „Die EP ist sehr viel ruhiger als mein Debüt“, bestätigt der Musiker den Eindruck unaufdringlicher Gitarrenakkorde, sanfter Bläser und Songzeilen wie „Together alone, safe on my own“ – Texte, für die der Musiker oft eine halbe Ewigkeit braucht. „Die Musik kommt einfach, aber die Wörter wollen nicht“, seufzt Ekenstam. Das liegt auch an seinem Anspruch, bei Themen wie Liebe und Verlust nicht die erstbeste Idee aufzugreifen. „Du musst die ganzen Klischees umrunden“, zeigt sich Ekenstam überzeugt.

Für den Musiker ist „Hundred Miles“ die Episode zwischen zwei Alben. Die Abgeschiedenheit in Dalarna hat er zur emotionalen Rehabilitation genutzt und ist von Stockholm zurück in seine Heimatstadt Göteborg gezogen. Jetzt fehlen nur noch neue Songideen. Aber das hat keine Eile.

 


Albert Af Ekenstam • Album

Künstler: Albert Af Ekenstam
Titel: Hundred Miles
Label: Moondog Entertainment
VÖ: 24.08.2018

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