Contemporary Music

Liebe? Lieber nicht!

In ihren dringlicher Popsongs widmet sich die Londoner Indie-Musikerin Laurel dem ultimativen Albtraum: romantische Gefühle zu entwickeln.

Laurel arbeitet antizyklisch: Während die meisten Künstlerinnen und Künstler im Indiebereich die Gitarren irgendwann gegen Synthesizer eintauschen, hat die 24-Jährige auf ihrem Debütalbum „Dogviolet“ die elektronischen Gerätschaften durch konventionelles Indierock-Equipment ersetzt. Vor vier Jahren machte sie erstmals durch ihre EP „To the Hills“ auf sich aufmerksam, auf der sie elektronische Grundierung und orchestrale Opulenz zu zwingendem Pop verschmilzt, dem man nicht anhört, dass Laurel ihn komplett in ihrem Heimstudio im Osten Londons aufgenommen hat. An ihrer Arbeitsweise hat sich seither nichts verändert, und auch wenn die Musikerin auf „Dogviolet“ allen Zierrat über Bord wirft, haben ihre neuen, gitarrenbasierten Songs nichts mit verhuschter Lo-Fi-Ästhetik zu tun.

Laurel klingt rauer als Lorde, verarbeitet die mit dem Übertritt vom Teenagersein zur Adoleszenz einhergehenden Gefühlswelten aber zu ähnlich schillernden Popsongs; durch ihre kraftvoll-markante Stimmfarbe erinnert sie wahlweise an eine dunklere Florence Welch oder eine hellere Zola Jesus; alle drei eint, dass sie sich nicht vor ausladenden Gesten scheuen. Das zentrale Thema von „Dogviolet“ ist die Liebe, doch Laurel erzählt von ihr nicht als romantische Utopie. „Sie ist ein wunderschönes Gefühl“, erklärt die Songwriterin, „kann aber auch sehr hässlich sein.“ Von dieser Ambivalenz sind die meisten ihrer Texte bestimmt: dass man nicht umhin kommt, nach der Liebe zu suchen, obwohl man schon längst weiß, dass die anfängliche Euphorie sich irgendwann verwandeln wird – in eine Manie, in Abhängigkeit, in Gewohnheit oder Verlust. Das spiegelt sich auch in der DNA der Songs, die zwischen funky und finster manchmal gar nicht so viel Raum lassen. Mit Britney Spears sozialisiert und durch Folkmusik die Lust am Songschreiben entdeckt, brach Laurel ihr Musikstudium nach nur einem Jahr ab, weil sie nicht daran glaubte, dass man durch Technik erlernen könne, wie man einen guten Song schreibt. „Dogviolet“ gibt ihr recht.

Tour

9. 10. Köln

10. 10. Hamburg

15. 10. Frankfurt

16. 10. Berlin

29. 10. München

Laurel • Album

Künstler: Laurel
Titel: Dogviolet
Label: Count Records
VÖ: 24.08.2018

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