Contemporary Music

Neko Case: höllisch gut!

„Hell-on“ heißt das neue Album von Neko Case – und lodert erstaunlich hell für die US-Songwriterin, die doch die dunkle Seite des Alternative Countray so mag …

Verena Reygers: Neko, zu „Hell-On“ haben dich unter anderem die Amazonen inspiriert. Die hat es doch nicht wirklich gegeben, oder?

Neko Case: Doch, sie haben existiert. Und zwar nicht nur als Frauen. Sie haben mit Männern zusammen in einer gleichberechtigten Welt gelebt, in der nicht nach Geschlecht, sondern nach Fähigkeiten und Interessen bewertet wurde. Ich habe das großartige Buch „The Amazons“ von Adrienne Mayor gelesen – das hat mir die Augen geöffnet.

Verena Reygers: Wie kamst du darauf?

Neko Case: Es hat mich einfach fertig gemacht: die Zustände, die Gesetze, mein Land, wo Frauen gehasst werden – wie an so vielen anderen Orten der Welt auch. Ich musste herausfinden, an welchen Punkt die Gesellschaft angefangen hat, Frauen zu benachteiligen, sie zu hassen. Also habe ich sehr viel recherchiert und gelesen …

Verena Reygers: … und hast was herausgefunden?

Case: Ich habe vor allem gesehen, wie die Geschichtsschreibung Frauen einfach ausspart. Wir sind keine Nebendarstellerinnen, keine Sklavinnen oder Baby-Maschinen, auch wenn wir so behandelt worden sind. Ich weiß, es hat immer starke und handelnde Frauen gegeben – sie sind bloß ignoriert worden.

Verena Reygers: Das kann ganz schön wütend machen.

Neko Case: Richtig! Noch wütender allerdings macht es mich, für eine Bildung bezahlt zu haben, die Frauen nicht beinhaltet. Aber jetzt bin ich klüger. Und es gibt Hoffnung. Aktuelle Forschungen untersuchen die Geschichte neu, und vor allem junge Menschen sehen vieles längst anders. Meine Stieftochter ist neun; sie hält so viele Sachen für selbstverständlich, die es für mich nie waren.

 

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