Contemporary Music

Sébastian Lemoine: Alle drei Minuten ein Universum

Als Teil des Quartetts Les Stentors feierte Sébastien Lemoine zahlreiche Erfolge, mit „Chanson Française“ wagt er den ersten Alleingang. Den Vergleich mit seinen Vorbildern scheut er trotzdem.

Siegfried Bendix: Sébastien, was bedeutet das Wort „Chanson“ für dich?

Sébastien Lemoine: Es steht vor allem für Poesie. Am meisten mag ich an Chansons, dass sie in drei Minuten ein ganzes emotionales Universum erschaffen können.

Siegfried Bendix: Du stellst auf dem Album eigene Lieder neben Coverversionen von Künstlern wie Michel Legrand oder Gilbert Bécaud. Warum hast du dich gerade für diese Stücke entschieden?

Sébastien Lemoine: Wichtig war, dass mich mit dem jeweiligen Song eine Geschichte verbindet. Außerdem habe ich gehofft, dass ich ganz persönliche Versionen aus ihnen machen könnte, die auch für sich selbst stehend Sinn ergeben.

Siegfried Bendix: Die klassische Orchestrierung erweiterst du durch moderne Instrumente wie Keyboards oder E-Gitarren. Ist „Chanson Française“ auch ein Versuch, sich vorzustellen, wie die Musik von Jacques Brel oder Barbara klingen könnte, wenn sie heute entstanden wäre?

Sébastien Lemoine: Nein, absolut nicht! Es wäre überheblich, davon auszugehen, dass diese Genies heute etwas Ähnliches machen würden wie wir. Ich bin mir sicher, dass sie etwas Kraftvolles, Seltsames, Unerwartetes, womöglich völlig Neues versucht hätten. Ich bin einfach ein klassisch ausgebildeter Sänger, der zu seiner alten Liebe zurückkehrt – und die Instrumentierung bildet einen Querschnitt all meiner musikalischen Einflüsse.

Siegfried Bendix: Hast du dir viele Gedanken darüber gemacht, wie deine eigenen Songs mit den Coverversionen zusammengehen?

Sébastien Lemoine: Ja und nein. Ich habe meine Songs geschrieben, lange bevor die Idee zu dem Album entstanden ist. Trotzdem habe ich mir die Frage gestellt: Erlaube ich es mir, meine eigenen Kompositionen unter all diese Meisterwerke zu mischen? Meine Plattenfirma hat mir schließlich die Antwort geliefert, indem sie meinte, dass die Songs alle in einer ähnlichen Stimmung gehalten seien und deshalb wunderbar zueinander passen würden. Es macht mich sehr glücklich, dass die Lieder, die ich schon seit Jahren singe, und meine eigenen Chansons nun auf ein und demselben Album zu hören sind. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass die Interpretation von Liedern anderer mir als Künstler nicht vollständig entspricht. Meine eigenen Geschichten mit eigenen Worten zu erzählen, das war der notwendige nächste Schritt – und ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie mein Publikum darauf reagieren wird, wenn es hört, wie ich die Welt sehe und erfühle.

Sébastien Lemoine „Chanson Française“ ist gerade erschienen.

 

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