Contemporary Music

Unsere Frau für die Zukunft

Für ihr neues Album setzt Sophie Hunger auf Synthesizer und liefert damit nicht nur musikalische Visionen.

Sophie, du lebst neuerdings in Berlin – wie hat die Stadt dich beeinflusst?
Sophie Hunger: Eindeutig mit Elektro und Clubmusik, die in Berlin dominieren. Dagegen ist die Bandszene verschwindend klein. Das hat mich selbst überrascht. Außerdem gefällt mir der Widerstand gegen den Zwang, alles zu optimieren, lieber schnodderig und antikapitalistisch sein. Das ist ein Gegenentwurf, der für mich auch etwas von Geborgenheit hat – einen Ort zu haben, der frei ist von Wettbewerb.
Der musikalische Einfluss deiner neuen Wahlheimat macht sich auf „Molecules“ stark bemerkbar – an allen Ecken und Enden surren die Synthies.
Sophie Hunger: Ich habe in den USA extra eine Schule für Musiksoftware und Aufnahmetechnik besucht, um am Computer komponieren und aufnehmen zu können – dafür ist elektronische Musik ja prädestiniert. Aber ich war auch dankbar für diesen Richtungswechsel, ich brauchte frischen Wind (lacht).
Inhaltlich zeigst du auch so viel Sophie Hunger wie nie, indem du sehr direkt das Ende deiner letzten Beziehung thematisierst.
Sophie Hunger: Das war eine akute Situation, ein Lebensentwurf, der auf seine Einzelteile zurückgeworfen war. Ich hatte keine Kraft dazu, dem auszuweichen oder es künstlich zu verfremden.
Und verzichtest trotzdem nicht auf den Blick aufs große Ganze wie in dem Song „She makes President“, der die Verantwortung weiblicher Wählerinnen thematisiert.

Sophie Hunger: Das war voll das Eigentor. Der Song ist vor der Wahl Trumps entstanden, und ich dachte gar nicht so sehr an die Wahl, sondern daran, dass die Frauen das Zünglein an der Waage sind. Aber vielleicht ist die Frau, die ich da entworfen habe, noch Zukunftsmusik.
Bist du diese Frau, die Verantwortung für eine gleichberechtigtere Welt übernimmt?
Sophie Hunger: Ich versuche es. Bei mir gibt es nicht nur in der Band eine Frauenquote, sondern auch in der Crew. Außerdem teile ich nicht nur die Gagen, sondern auch die Preisgelder. Ich bin zwar eine Solokünstlerin, aber auf Tour kreieren wir gemeinsam.
Wobei das ja jetzt live die Synthesizer übernehmen dürfen.
Sophie Hunger: Auf keinen Fall! Wir werden alles live spielen, ohne Samples – allein der Berufsehre wegen.

Interview: Verena Reygers

Sophie Hunger • Album

Künstler: Sophie Hunger
Titel: Molecules
Label: Caroline
VÖ: 31.08.2018

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