Contemporary Music

Marauder

Wieder auf der Überfliegerspur? Interpol liefern mit „Marauder“ ihr bestes Album seit ihrem legendären Debüt „Turn on the bright Lights“.

Natürlich zählt ihr Debüt zu den besten Indieplatten der Nuller-Jahre, doch danach überzeugten Interpol nur noch mit vereinzelten Songs, und so sehr man die New Yorker Band um Paul Banks auch für ihren Kampf gegen den kreativen Stillstand bewundern mag – funktioniert hat keine ihrer Experimentierlaunen. Wenn Postpunk seit ein paar Jahren wieder spannend ist, liegt das an frischeren Bands wie Preoccupations, Ought und Protomartyr, doch mit gutem Recht haben Interpol den erneuten Aufwind ihres Haussounds genutzt, um im letzten Jahr mit ausgiebiger Tour den 15. Jahrestag von „Turn on the bright Lights“ zu feiern – und sich befeuert von der Energie ihres Überdebüts auch wieder kreativ ins aktuelle Geschehen einzumischen. Ihr sechstes Studioalbum kehrt zum Ausgangspunkt zurück: Entstanden sind die neuen Songs im Proberaum der Yeah Yeah Yeahs, Dave Fridmann (Flaming Lips, Spoon) hat für den nötigen Schmutz in der Produktion gesorgt, und Paul Banks geht mittlerweile dermaßen in seiner neuen Rolle als Bassist auf, dass man Carlos Dengler erstmalig nicht mehr vermisst. „Like Prince sang in Tennessee I wanna ride with you down there to Alphabet Street“, singt Banks in „NYSMAW“ – und tatsächlich ist es eine unterschwellige Funkyness, die sie dann eben doch nicht ausschließlich in der Vergangenheit verharren lässt. Angeblich ist „Marauder“ konzeptionell wie keine Interpol-Platte zuvor: Passend zum Watergate-Protagonisten Elliott Richardson auf dem Cover soll es um Rückgrat und Aufrichtigkeit gehen. Doch „Marauder“ ist eben auch deshalb ihre mindestens zweitbeste Platte, weil das einzige Qualitätsmerkmal, das sie über all die Jahre beibehalten haben, nach wie vor Bestand hat: Banks’ nicht zu durchdringende, so merkwürdige und so poetische Texte. cs

Interpol • Album

Künstler: Interpol
Titel: Marauder
Label: Matador
VÖ: 24.08.2018

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